16.07.2020 11:12
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Wald
Holzernte sinkt und ist defizitär
Im vergangenen Jahr wurden rund elf Prozent weniger Holz geerntet als im Vorjahr, nämlich 4,6 Millionen Kubikmeter (m3). Der grosse Rückgang ist auf die besonderen Ereignisse im Vorjahr zurückzuführen. Das Defizit bei den Forstbetrieben ist gestiegen.

Denn im Jahr 2018 gab es wegen des Borkenkäfers, der Sommerhitze und der Winterstürme mit 5,2 Millionen Kubikmeter eine «überdurchschnittlich hohe» Holzernte, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte.

Durchschnittliche Ernte

Die Holzernte 2019 ist mit 4,6 Millionen Kubikmetern um 11% tiefer ausgefallen als im Vorjahr. Sie ist aber genauso hoch wie der Durchschnitt der Jahre 2015–2017.

Das BFS führt den Rückgang darauf zurück, weil Räumungsarbeiten des Borkenkäferholzes den normalen Holzschlägen vorgezogen werden mussten. Zudem seien die Holzpreise weiterhin tief und die Absatzkanäle für «Käferholz» gesättigt. Eine Unterscheidung zwischen Normal- und Zwangsnutzung gibt es aber in der Statistik nicht.

Mehr Nadelenergieholz

Bei den Holzsortimenten zeigt sich ein deutlicher Unterschied im Rückgang. Stammholz – das wichtigste Segment (–19 %) – und das Industrieholz (–15 %) haben stark abgenommen. Das Energieholz (+0,1 %) hingegen war praktisch gleich hoch wie 2018. Treiber hier war das Nadelenergieholz mit einem Plus von 10 Prozent. 

Dies sei auf den Borkenkäfer-Befall zurückzuführen, schreibt das BFS. Der Käfer befällt vor allem Fichten und Tannen, die zu den Sorten des Nadelenergieholzes gehören. Durch den Befall entsteht eine schlechte Holzqualität. Der Anteil des Laubenergieholzes sank hingegen um 6 Prozent.

Fünf Kantone liefern die halbe Holzernte

Die fünf grössten Holzmengen gab es im Jahr 2019 in den Kantonen Bern (0,82 Millionen), Zürich (0,47 Millionen), Aargau (0,40 Millionen), Waadt (0,38 Millionen) und Graubünden (0,35 Millionen). Sie lieferten rund die Hälfte der gesamten Holzernte. In diesen fünf Kantonen befinden sich auch 47 Prozent der Waldflächen der Schweiz.

Ernte weiterhin defizitär

Aus wirtschaftlicher Sicht bedeutete die Holzernte gemäss Mitteilung für die 667 Forstbetriebe in der Schweiz Einnahmen von 534 Millionen Franken, bei Ausgaben von rund 577 Millionen Franken. Das Defizit von rund 41 Millionen Franken fällt damit um 3 Millionen Franken höher als im Jahr 2018.  «Einem starken Rückgang des Stammholzes mit eher höheren Preisen steht eine Zunahme des Energieholzes mit tieferen Erlösen gegenüber», hält das BFS fest.

2019 wiesen 43% der Forstbetriebe eine positive Bilanz aus – im Vorjahr waren es knapp die Hälfte. Bei 160 ausgewählten Forstbetrieben, die eine Vollkostenrechnung führen, war die Holzernte ebenfalls rückläufig (–7%). Die finanzielle Situation trübte sich ein. 

Da weniger Holz geerntet wurde, haben die Kosten in der Waldbewirtschaftung abgenommen (–38 Fr./ha), gleichzeitig aber auch die Erlöse (–43 Fr./ha). Dadurch hat sich in diesem Bereich das Defizit pro Hektare produktive Waldfläche um 5 Franken auf –60 Franken erhöht. Die Erbringung von Dienstleistungen hat mit einem Gewinn von 11 Fr./ha (Vorjahr: 9 Fr./ha) und die Sachgüterproduktion (z. B. Stückholz) mit einem Verlust von –2 Fr./ha (Vorjahr: +5 Fr./ha) zum Ergebnis beigetragen. Das durchschnittliche Gesamtergebnis der Testbetriebe beläuft sich auf –52 Franken pro Hektare (Vorjahr: –42 Fr./ha).

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