23.01.2018 10:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Erdöl
Höhere Preise - Fracking-Boom
Ab und auf, auf und ab: Die Preise für international gehandeltes Rohöl fahren weiter Achterbahn. Weil in den USA immer mehr produziert wird, könnte die Strategie des Opec-Kartells verpuffen. Für Benzin- und Heizölkunden könnten so gute Zeiten anbrechen.

Seit Monaten geht es mit den Ölpreisen auf dem Weltmarkt tendenziell aufwärts. Anfang des Jahres war das «schwarze Gold» so teuer wie seit Ende 2014 nicht mehr. Doch je höher die Preise, desto eher lohnt sich für Ölfirmen in den USA die umstrittene wie kostspielige Fracking-Methode - und die Fördermenge an Schieferöl steigt.

Fracking-Boom

Es spricht einiges dafür, dass sich am Ölmarkt eine Entwicklung wiederholen könnte, die schon vor Jahren zu beobachten war. Ein Fracking-Boom in den USA hatte damals den Weltmarkt überschwemmt. Es folgte ein massiver Absturz der Ölpreise, Endkunden konnten den Trend bei Fertigprodukten wie Heizöl und Kraftstoff ordentlich für sich nutzen.

Schon jetzt läuft die Förderung in den Vereinigten Staaten auf Hochtouren. Laut jüngsten Daten der US-Regierung lag die Menge zuletzt bei durchschnittlich 9,75 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag - nur knapp unter einem Rekordhoch. Die US-Firma Baker Hughes, ein Spezialist für Ausrüstungen für die Ölindustrie, zählte landesweit insgesamt 747 aktive Ölbohrlöcher. Vor etwa einem Jahr waren es noch etwa 200 weniger gewesen.

Fracking-Boom

«Hauptgrund für den jüngsten Anstieg der Fördermenge an Rohöl in den USA ist das Fracking von Schieferöl», erklärt Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank die Entwicklung. Beim aktuellen Preisniveau wird die vergleichsweise teure Fracking-Methode zunehmend rentabel.

Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht von einem «explosionsartigen» Anstieg der US-Fördermenge. In seinem jüngsten Monatsbericht geht der Energie-Interessenverband wichtiger Industrieländer davon aus, dass das US-Produktionsvolumen in diesem Jahr einen neuen Höchstwert von durchschnittlich 10 Millionen Barrel täglich überschreiten wird. Damit würden die USA zum zweitgrössten Ölförderer der Welt nach Russland aufsteigen.

Parallelen zu 2014

Es zeigen sich Parallelen zum Jahr 2014: Damals hatten Ölpreise über der Marke von 100 Dollar einen Fracking-Boom in den USA befeuert. Das Angebot auf dem Weltmarkt war höher als die Nachfrage, und es kam zu einem Einbruch der Ölpreise.

In der Spitze fielen die Bezugskosten für den zentralen «Schmierstoff» der Weltwirtschaft Anfang 2016 zeitweise unter 30 Dollar pro Fass. Was viele Konsumenten damals kaum für möglich hielten: Das Tanken an der Zapfsäule und das Befüllen der Heizöltanks wurde zum Teil deutlich günstiger. Vor genau zwei Jahren - im Januar 2016 - mussten für 100 Liter Heizöl nur 38 Euro gezahlt werden. Nach Angaben des Internet-Vergleichsportals Verivox kostet dieselbe Menge derzeit rund 62 Euro.

Schulterschluss der Opec-Länder

Anders als in den Jahren 2014 bis 2016 hat sich am Ölmarkt inzwischen aber etwas grundlegend geändert: In einem beispiellosen Schulterschluss haben sich Mitgliedstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und andere wichtige Förderer - darunter Russland - auf eine Kürzung der Fördermenge geeinigt und diesen Beschluss nach Einschätzung von Beobachtern auch weitgehend umgesetzt. Das gemeinsame Ziel sind stabile Ölpreise.

In der Tat: Das konsequente Festhalten der Opec-Allianz an der Förderbegrenzung hat ein starkes Abrutschen der Ölpreise bisher verhindert. Rohstoffexperte Fritsch will jedoch einen erneuten heftigen Rückgang nicht ausschliessen. Seiner Einschätzung nach hängt viel von künftigen Entscheidungen des Kartells ab: «Wenn die Opec aus ihrer derzeitigen Förderbegrenzung unkontrolliert aussteigen würde, wäre vor dem Hintergrund der steigenden US-Fördermenge ein Einbruch der Ölpreise möglich.»sda

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