5.06.2020 12:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Milchmarkt
Hochdorf: Die Neuen für den VR
Der Milchverarbeiter Hochdorf hat am Freitag die neuen Kandidaten für den Verwaltungsrat vorgestellt, welche die Generalversammlung am 30. Juni wählen soll. Die Aktionäre werden dann auch über einen Antrag auf Sonderprüfung entscheiden können.

Wie bereits im Februar angekündigt, stehen die bisherigen Bernhard Merki, Jörg Riboni, Markus Kalberer und Walter Locher nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung. Dafür stellen sich gemäss Mitteilung an der Generalversammlung neu Jürg Oleas, Andreas Herzog, Jean-Philippe Rochat und Ralph Siegl zur Wahl in das Aufsichtsgremium.

Oleas soll Präsident werden

Oleas ist den Angaben zufolge nach langjähriger Tätigkeit beim ABB-Konzern seit 2019 selbstständiger Unternehmer mit Beratungstätigkeit. Herzog ist seit Oktober 2019 ebenfalls selbstständig tätig, unter anderem als europäischer Partner der RIFF Ventures. Rochat ist Rechtsanwalt und seit 1988 Partner bei Kellerhals Carrard. Siegl arbeitet seit 2018 als selbstständiger Unternehmensberater und Managing Partner der Experts for Leaders AG.

Als zukünftiger Verwaltungsratspräsident der Hochdorf werde neu Oleas zur Wahl vorgeschlagen, heisst es in der Mitteilung weiter. Als Mitglieder des Personal- und Vergütungsausschuss würden neben Oleas auch Rochat und Siegl zur Wahl empfohlen.

Transparenz soll Vertrauen wieder herstellen

Im Vorfeld der Generalversammlung will der Verwaltungsrat ferner die Fragen eines Klein-Aktionärs beantworten und genehmigt dessen Sonderprüfungsantrag. Der Antrag betreffe Fragen, die in Anbetracht der Entwicklungen der Hochdorf Gruppe der letzten zwei Jahre für viele Aktionäre wichtig seien. Daher sei es aus Sicht des Verwaltungsrates zentral, dass für die Aktionäre in allen für sie wichtigen Fragen Transparenz herrsche und sie wieder Vertrauen in die Gesellschaft und deren Führung haben könnten.

Entsprechend empfiehlt der Verwaltungsrat den Aktionären die Annahme des Antrages, sofern sie von den Antworten des Verwaltungsrates und der Revisionsstelle auf die vom Aktionär gestellten Fragen nicht vollständig befriedigt seien oder Zweifel hätten. Die Antworten des Verwaltungsrats sowie der Revisionsstelle auf die gestellten Fragen würden am 15. Juni 2020 auf der Homepage von Hochdorf aufgeschaltet.

Pharmalys als Grund

Die vergangenen Monate waren für das Innerschweizer Unternehmen nicht einfach. Im März gab Hochdorf die Zahlen aus dem Jahr 2019 bekannt. Diese waren miserabel.

Die Gewinnzahlen waren auf allen Stufen tiefrot: Konkret kommunizierte Hochdorf einen Ebit von -265,3 Mio. Fr. (2018: +18,6 Mio. Fr.) und einen Verlust von 271,4 Mio. Fr. (2018: +8,7 Mio. Fr.). Der Umsatz brach 2019 um 18,6% auf 456,8 Mio. Fr. zusammen. Als Grund für die Krise wurde vor allem die 51-%-Tochter Pharmalys genannt. Die Herstellerin von Babynahrung-Produkten hatte sich deutlich schlechter als erwartet entwickelt. 

Die Beteiligung wurde für 100 Millionen Franken an Minderheitsaktionär Amir Mechria verkauft. Das ist viel weniger, als Hochdorf seinerzeit für die 51%-Beteiligung bezahlt hatte: 245 Millionen Franken, davon rund 114 Millionen in bar und 131 Millionen Franken in Form einer Pflichtwandelanleihe.

Weniger Milch verarbeitet

Zudem verarbeitet Hochdorf im vergangenen Jahr 4.7 Prozent weniger Schweizer Milch. Die Menge sank um 17'400 Tonnen auf 391'409 Tonnen Milch und Molke. Zurückgeführt wurde dies auf die tieferen Milcheinlieferungen in der Schweiz und den schlechteren Milchpreis im Vergleich zur Konkurrenz.

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