19.06.2019 10:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Raufutter
Heu und Stroh: Richtpreise tauchen
Heu wird zurzeit kaum nachgefragt. Die Raufutterernte 2019 lieferte bisher gute Qualitäten und Erträge. Auch die Getreidebestände stehen gut da. Dies veranlasste den Raufutterverband, die Heu- und Strohpreise zu senken.

Mit 38 bis 41 Fr./100 kg für belüftetes Heu ab Hof war der Richtpreis nach dem trockenen Sommer 2018 mit Futtermangel auf einem hohen Niveau. Nun sieht die Situation anders aus.

Grasbestände gut erholt

Die Mitglieder des Schweizerischen Raufutterverbandes (SRV) tauschten sich am letzten Freitag in Zürich im Rahmen ihrer Sommerversammlung zur aktuellen Lage auf dem Heu- und Strohmarkt aus. Die anwesenden elf Händler aus verschiedenen Regionen der Schweiz waren sich einig, dass derzeit kaum eine Nachfrage nach Heu besteht.

«Die Landwirte sind momentan alle selber mit Heuen beschäftigt, und sie warten auf günstigere Preise», sagt Daniel Betschart von der Landi Unterwalden. Die trockenheitsgeschädigten Grasbestände hätten sich erstaunlich gut erholt und lieferten bisher gute Erträge. Einige Landwirte hätten ausserdem ihre Futterfläche ausgedehnt, um die leeren Futterlager wieder aufzustocken, berichtete Beat Läderach von der Landi Zola. Die Raufutterernte 2019 scheint also vom jetzigen Zeitpunkt aus gesehen gut bis sehr gut auszufallen. 

Kann noch viel passieren

Matthias Reichmuth von Reichmuth Landesprodukte in Lipperswil TG merkte an, dass der Preis für importierte Luzerne gesunken sei, da es auch im Ausland gute Schnitte gegeben habe. «Ich kann für inländisches Belüftungsheu ab Hof nicht viel mehr bezahlen als den Preis, für den Importluzerne franko Hof geliefert wird.»

Die anwesenden Händler waren sich einig, dass aufgrund des guten Raufutterangebotes, des Importpreisniveaus und der verhaltenen Nachfrage der hohe Richtpreis für Heu gesenkt werden muss. Die Frage sei nur, wie tief man den Preis ansetzen dürfe, damit die Raufutterproduzenten nicht vergrault würden.

Schlussendlich einigten sie sich auf einen Richtpreis für belüftetes Heu in Gross- oder Kleinballen ab Hof von 29 bis 32 Fr./100 kg (siehe Tabelle unten). Das ist um einen Franken tiefer als der Richtpreis vor einem Jahr war. Alle sind sich jedoch bewusst, dass sich die Situation je nach weiterem Wetterverlauf des Sommers rasch ändern kann.

Strohlager sind leer

Auf dem Strohmarkt herrscht aktuell eine ähnliche Situation wie beim Heu. Es wird kaum Ware gekauft, da alle auf tiefere Preise warten. Denn die Richtpreise waren mit 18 Fr./100 kg für Grossballen und 22 Fr./100kg für Kleinballen ab Hof bisher auf einem hohen Niveau. «Im Winter wurde deshalb nur so viel gekauft, wie gerade nötig», berichtete Ruedy Zgraggen, der Präsident des SRV. Lager seien kaum angelegt worden.

Da die Getreidebestände momentan gut dastehen, waren sich die Händler einig, dass der Strohpreis nach unten korrigiert werden müsse. So liegt der Richtpreis für Stroh in Grossballen, ab Hof, neu bei 14 Fr./100 kg und jener für Kleinballen bei 18 Fr./100 kg. Das ist ein Franken mehr als vor einem Jahr. Denn aufgrund der kleinen ausländischen Strohernte 2018 seien die Strohlager im Inland und im Ausland grösstenteils leer, das müsse bei der Preisfindung ebenfalls berücksichtigt werden. 

Biohandel bewegt

Eine längere Diskussion führte der Raufutterverband über die Situation auf dem Markt für Biofutter. Die neuen Richtlinien von Bio Suisse sehen vor, dass Biobetriebe ab 2020 90% inländisches Bioraufutter verfüttern müssen und ab 2022 sogar 100%. Die Händler sind besorgt, ob sie die nötigen Mengen Inlandware beschaffen können. Sie appellieren an Bio Suisse, dass es wichtig wäre, sich einen schweizweiten Überblick über den Bioraufuttermarkt zu verschaffen. Es dürfe nicht sein, dass bei Futtermangel in der Ostschweiz Ausnahmegesuche für konventionellen Futterimport bewilligt würden, wenn in der Westschweiz noch Bioraufutter angeboten werde. «Sonst vergrault man die Westschweizer Biofutterproduzenten, die wichtig sind für die 100%-Inlandversorgung.» big

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