9.02.2018 07:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Agrochemie
Gemüsesaatgut für Monsanto-Deal verkaufen
Der deutsch Chemie- und Pharmariese Bayer will die EU-Kommission mit weiteren Zugeständnissen von der Monsanto-Übernahme überzeugen und bietet Insidern zufolge nun auch den Verkauf seines weltweiten Gemüsesaatgutgeschäfts an. Angeblich soll Syngenta daran interessiert sein.

Das komplette Geschäft der Marke Nunhems mit mehr als 2000 Mitarbeitern solle in einem Paket an ein Unternehmen verkauft werden, das in dem Markt noch nicht vertreten sei, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit der Sache vertrauten Personen am Donnerstag. 

Bereits Saatgutteile verkauft


Daneben biete Bayer dem Wettbewerber BASF eine exklusive Lizenz für seine Plattform mit digitalen Daten für die Landwirtschaft an. Bayer, BASF und die EU-Kommission wollten sich dazu nicht äussern. Die Wettbewerbshüter hatten Anfang der Woche die Überprüfung der 63,5 Milliarden Dollar schweren Übernahme bis Anfang April verlängert.

Bayer hatte der EU-Kommission nach eigenen Angaben «umfangreiche» Zusagen unterbreitet und sich zuversichtlich gezeigt, damit die Bedenken der Europäischen Kommission vollständig ausräumen zu können. Um welche Zugeständnisse es sich dabei handelt, hatte Bayer nicht bekanntgegeben. 

Um die Zustimmung der Wettbewerbshüter für den Zukauf zu erhalten, hatteder deutsche Chemiegigant bereits im Oktober angekündigt, für fast sechs Milliarden Euro einen Teil seines Geschäfts mit der Landwirtschaft an BASF zu verkaufen. Dazu gehören Teile des Geschäfts mit Soja-, Baumwoll- und Raps-Saatgut sowie mit Breitband-Unkraut-Vernichtungsmitteln. 

Angebliches Interesse von Syngenta

Am Gemüsesaatgutgeschäft soll einem Insider zufolge der Basler Agrarchemiekonzern Syngenta sehr interessiert sein, es gebe aber auch andere Interessenten. Die EU-Kommission hatte ernsthafte Bedenken an der Übernahme angemeldet, da der Zusammenschluss den Wettbewerb unter anderem bei Pestiziden und Saatgut beeinträchtigen könnte. 

Die Behörde hatte zudem Bedenken hinsichtlich der Marktmacht der beiden Unternehmen im Geschäft mit der Digitalisierung der Landwirtschaft geäussert, mit der beispielsweise der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln etwa mit Hilfe von Software und Drohnen punktgenau gesteuert werden soll.

Umweltschützer hatten die Kartellwächter dazu aufgefordert, den Deal zu untersagen. Sie fürchten eine Erhöhung der Abhängigkeit der Landwirte von wenigen Grosskonzernen, einen vermehrten Einsatz von Chemikalien sowie eine Verringerung der Artenvielfalt. In der Branche haben sich bereits die Wettbewerber Syngenta und ChemChina sowie Dow Chemical und DuPont zusammengeschlossen.

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