28.11.2019 09:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchproduktion
Freiwilliges Melken als neue Marke
Kühe, die ihren Tagesablauf selber bestimmen können, die fressen oder sich melken lassen, wann es ihnen gefällt – das sind für Tiziano Ziliani zufriedene Kühe. Ihre Milch soll künftig speziell vermarktet werden.

Es gibt viele Labels und Programme rund um die Milch und die Kühe. Sie regeln die Fütterung (GMF), die Weide (Raus), die Stallhaltung (BTS) oder die gesamtbetriebliche Ausrichtung (Bio). Keines stellt aber den Tagesablauf der Kuh sowie ein der Leistung angepasstes mehrmaliges freiwilliges Melken mit allen seinen Tierwohlvorteilen ins Zentrum – bis heute. 

Im Fokus steht die Kuh

Dairy Wellness heisst die neue Marke, die Tiziano Ziliani geschaffen hat und die an der Suisse Tier vorgestellt wurde. Im Fokus steht die Kuh und ihr Tagesablauf, darin eingeschlossen das freiwillige Melken im Roboter. Tiziano Ziliani, bekannt als Gesellschafter von Lely Suisse in Härkingen SO: «Beim Melken hat sich in den letzten Jahren nichts verändert – traditionell wird zwei Mal am Tag gemolken. Die Milchleistung der Kuh ist aber stark angestiegen. Durch das freiwillige Melken – im Roboter – geben wir der Kuh die Chance, ihre Milch dann abzugeben, wenn sie will.»

Ziliani ist überzeugt, dass dieses freiwillige Melken ein grosses Plus an Tierwohl bietet – und dass die Konsumenten dies eigentlich wünschen. Deshalb heisst seine neue geschützte Marke auch Dairy Wellness – also Wellness für die Milchkuh.

Direkt zum Konsumenten

Ein zweiter Punkt neben dem freiwilligen Melken, auf den Ziliani bei seinem Label grossen Wert legt, ist die Langlebigkeit der Kuh. Die Konsumenten wüssten nicht, dass eine Kuh in der Schweiz im Schnitt gut drei Laktationen Milch gebe, aber eigentlich eine Lebenserwartung von 20 Jahren habe: «Wenn sie das hören, sind sie geschockt.» Deshalb sollen Kühe auf Dairy-Wellness-Betrieben ein langes Leben haben. 

Dairy Wellness soll nun die Milch, die die Kuh freiwillig gibt, direkt zum Konsumenten bringen. Dafür hat Ziliani eine Homepage geschaffen, auf der sich Roboterbetriebe, die das freiwillige Melken und andere Punkte erfüllen, registrieren können. Durch Google Maps werden die Konsumenten zum nächstliegenden Hof geleitet, wo sie die Milch und andere Milchprodukte kaufen können – zu Preisen, die der Betrieb festlegt.

«Wenn die Produzenten Interesse haben, können sie die Milch selber weiterverarbeiten und so die Wertschöpfung auf dem Betrieb halten», ergänzt Ziliani. «Da die Marke geschützt ist, haben die Bauern einen Schutz, dass es auf dem Markt vorerst keine Nachahmer gibt.» 

Näher bei Konsumenten positionieren

Einer dieser Höfe, die das freiwillige Melken praktizieren und auch im Direktverkauf tätig sind, ist der Hof Hinterburg von Adrian Haggenmacher in Meilen ZH. Er hat 70 Milchkühe, davon 60 laktierende, die im Astronaut von Lely gemolken werden. «Wir müssen uns näher bei den Konsumenten positionieren und unseren hohen Tierwohl-Standard ausloben – das ist in der Schweiz unsere Chance», betont er.

Haggenmacher macht bei der Stallvisite mit und hat diesen Sommer auch chinesische und indische Reisegruppen empfangen. «Konsumenten, die nur auf den Preis schauen, sind mir egal», betont er, «ich konzentriere mich auf jene, die Interesse am Tierwohl und an unserer Arbeit haben.» 

Tierwohl als Chance

Adrian Haggenmacher ist seit einiger Zeit schon im Direktverkauf mit einem Hofladen aktiv. Und er will dieses Geschäft noch ausbauen. Mit einem Nachbarn hat er dazu eine GmbH gegründet. Ziel ist es, eine kleine Hofmolkerei zu eröffnen, um auch die Milchprodukte vom Hof selber zu vermarkten.  «Lely bietet ein Molkerei-Modul im Container, bei dem die Milch nach dem Abfüllen in Flaschen der Kuh zugeordnet werden kann – das wäre für die Konsumenten eine tolle Sache.»  

Haggenmacher plant, bei Dairy Wellness mitzumachen und seinen Hof aufschalten zu lassen. «Früher hatte ich im Akkord 60 Kühe zu melken und keine Zeit für jede einzelne. Jetzt kann ich mich um die Kühe kümmern, die meine Zeit brauchen. Dies ist ein Argument, das man vermarkten sollte.»

-> Hier gehts zur Website

Dairy Wellness – Das Pflichtenheft

Die Kuh ist komplett frei in ihrem Tagesablauf und entscheidet frei über Futter- und Wasseraufnahme, Liegezeit, Auslauf und/oder Weide über 365 Tage im Jahr. Das Raus-Programm muss im Minimum erfüllt werden. Die Kuh entscheidet während der Laktationsperiode freiwillig über Ihre Melkzeiten und kann sich bis zu 4-mal pro Tag melken lassen. Die Melkzeiten sind nicht direkt vom Menschen bestimmt. Es bestehen keine fixen Melkzeiten und keine engen Warteräume wie in Melkstandbetrieben. Es herrscht freier Kuhverkehr. Die BTS-Richtlinien sind immer eingehalten. 

Anzustreben bei der Fütterung ist ein möglichst hoher Trockensubstanzanteil an Grundfutter wie bei GMF (Graslandbasierte Milch-und Fleischproduktion). Grundsätzlich muss so viel als möglich inländisches Futter und vor allem betriebseigenes Futter eingesetzt werden. Die Tiergesundheit (Pansenaktivität) steht im Vordergrund, somit muss die Fütterung wiederkäuergerecht sein mit dem Hauptziel, eine gesunde und langlebige Kuh zu halten. Antibiotika werden nur bei Krankheiten eingesetzt. Eine homöopathische Behandlung ist als erste Massnahme immer vor dem Einsatz der Schulmedizin durchzuführen. Die mutterbezogene Kälberaufzucht soll in Betracht gezogen und möglichst umgesetzt werden. sum

 

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