15.01.2020 13:20
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
Devisen
Franken wird stärker und stärker
Die Frankenstärke hält an. Am fünften Jahrestag der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist der Euro-Franken-Kurs auf den tiefsten Stand seit April 2017 gesunken. Laut einem Experten interveniert die Nationalbank aber derzeit nicht im grossen Stil.

Kurz nach 11.00 Uhr kostete ein Euro 1,0745 Franken und war damit so günstig wie seit April 2017 nicht mehr. Ein Dollar wurde zu 0,9660 Franken gehandelt. So tief stand der Greenback das letzte Mal im September 2018.

«Jahrestag» Mindestkurs-Aufhebung

Die aktuelle Stärke des Frankens kommt am «Jahrestag» der Mindestkurs-Aufhebung. Am 15. Januar 2015 hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den 2011 eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken wieder aufgegeben, was zu einer massiven Aufwertung des Frankens geführt hatte.

Der jüngste Franken-Anstieg hat vor allem politische Gründe: die Spannungen der USA mit dem Iran und der Handelskrieg sowie die damit verbundene Abkühlung der Weltwirtschaft. Dabei profitiert die Schweiz immer wieder von ihrem Nimbus als sicherer Hafen.

«Nicht mit grossen Volumina»

Bekanntlich wirkt die SNB der Frankenaufwertung mit Devisenmarkt-Interventionen entgegen. Dass die SNB in jüngster Zeit stark am Markt zulasten des Franken interveniert hat, lässt sich laut Analysten aber nicht schlüssig belegen.

Auch Credit-Suisse-Ökonom Maxime Botteron geht nicht davon aus, dass die SNB zuletzt interveniert hat. Solches lasse sich aus der Entwicklung der Giroguthaben kaum erkennen. «Und wenn die SNB interveniert hat, dann ist sie nicht mit grossen Volumina aktiv gewesen», so der Experte.

Temporäre Stärke

Seiner Meinung nach ist die aktuelle Stärke «temporär». Gemäss CS-Prognosen dürfte der Euro in drei Monaten bei 1,08 Franken stehen und in 12 Monaten gar auf 1,15 Franken anziehen.

Als Gründe für den aktuell starken Franken nennt Botteron neben den geopolitischen Spannungen auch die Liste, die das US-Schatzamt jüngst veröffentlicht hat und auf der die Schweiz wieder als möglicher Währungsmanipulator aufgeführt ist.

US-Vorwürfe als Problem

Diese Einstufung habe Spekulationen Vorschub geleistet, wonach der SNB jetzt die Hände zumindest teilweise gebunden seien, kommentierte auch die Valiant Bank am Mittwoch. Damit sie nicht als Manipulator gebrandmarkt werde, müsse die SNB auf weitere Interventionen verzichten, heisse es am Markt. «Die Schweizerische Nationalbank sollte sich bewusst sein, dass bei etwaigen Devisenmarktmanipulationen der Verdruss in Washington weiter zunimmt», kommentierte auch Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank.

Eine weitere Erklärung für das Erstarken des Franken ist laut Valiant, dass am Vortag eine wichtige charttechnische Unterstützung unterschritten worden sei. Nun sei der Weg offen in Richtung 1,0720. Beim Dollar sehe es besser aus, wo der Support um 0,9645/60 Franken noch nicht durchbrochen wurde. «Dennoch hat sich das technische Bild eingetrübt und eine Wiederaufnahme des Abwärtstrends in Richtung 0,9540 Franken dürfte nur eine Frage der Zeit sein.»

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