20.01.2020 15:16
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
Devisen
Franken auf Mehrjahreshoch
Der Franken ist derzeit zum Euro so stark wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Auslöser für den jüngsten Aufwertungsschub war ein Entscheid der US-Regierung, die Schweiz wegen möglichen Währungsmanipulationen im Auge zu behalten. Laut Beobachtern engt das den Spielraum der SNB für Eingriffe am Devisenmarkt ein, was wiederum Spekulanten auf den Plan ruft.

Am vergangenen Dienstag wurde bekannt, dass die USA die Schweiz nach einer kurzen Pause wieder auf die Beobachtungs-Liste möglicher Währungsmanipulatoren genommen hat. Die Reaktion auf dem Devisenmarkt liess nicht lange auf sich warten: Der Euro-Franken-Kurs fiel prompt unter die Marke von 1,08. Damit verschärfte sich der seit Dezember anhaltende Abwärtstrend des Kurses. Zwischenzeitlich wurde ein neues Mehrjahrestief bei 1,0732 Franken erreicht.

Weniger Spielraum

Der Entscheid der USA hat zwar keine direkten Folgen für die Schweiz und die SNB. Eine Aufnahme auf die Liste heisst etwa nicht unbedingt, dass die Schweiz auch tatsächlich Sanktionen zu fürchten hat. Indirekte Folgen hat der Entscheid aber sehr wohl. «Der Spielraum der SNB für Interventionen wird kleiner», sagt Claude Zehnder von der Zürcher Kantonalbank.

Von den Eingriffen am Devisenmarkt hängt ab, ob die Schweiz bald nicht nur zwei, sondern alle drei Kriterien erfüllt, die den USA als Indiz für mögliche Währungsmanipulationen eines Landes dienen. Beim Handelsüberschuss mit den USA und dem Leistungsbilanzsaldo liegt die Schweiz bereits in dem von der USA als kritisch beurteilten Bereich.

Anleger spekulieren

Das dritte Kriterium besteht in jährlichen Devisenkäufen von über 2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Laut Raiffeisen entspräche das für die Schweiz aktuell Interventionen von rund 14 Milliarden Franken. Die USA schätzen die Käufe auf Basis der SNB-Sichteinlagen. Diese waren etwa kurz vor oder kurz nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses wöchentlich in diesem Rahmen oder sogar noch deutlicher gestiegen. Laut Berechnungen der CS erreichten die Devisenkäufe der SNB zwischen Juli und September, als sie vermehrt intervenieren musste, rund 1,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Ob sich die SNB nun tatsächlich stärker zurückhalten wird bei den Deviseninterventionen, darüber sind sich Experten nicht einig. «Es ist eine Frage der Menge», sagt etwa Zehnder. Vorderhand werde die SNB noch nicht auf Eingriffe verzichten. Entscheidend aber ist: Anleger spekulierten nun darauf, dass die SNB einer Aufwertung weniger entgegenzusetzen hätte.

Stärkere Ausschläge erwartet

Die Anleger würden nun das entsprechende Risiko neu bewerten, sagt UBS-Devisenexperte Thomas Flury. «Ich gehe davon aus, dass sich damit die Funktion des Frankens als 'Sicherer Hafen' verstärkt.» Gäbe es beispielsweise einen weiteren Anschlag im Nahen Osten, der den Ölpreis bewegt, dürfte sich der Franken stärker als bislang aufwerten.

Dann dürfte sich wohl auch zeigen, bis zu welcher Schmerzgrenze die SNB eine Aufwertung zulässt. «Bislang hiess es immer, die Grenze liege etwa bei 1,075 Franken», sagt Flury. Und dennoch liege der Kurs nun leicht darunter. «Die Grenze und auch die Erwartung, wann die SNB interveniert, hat sich systematisch nach unten bewegt.» Der Grund dafür seien die politischen Diskussionen rund um die Währungsmanipulation. So habe sich ja auch bereits abgezeichnet, dass die Schweiz wieder auf der Liste des US-Finanzministeriums landen würde.

Rückenwind von der Konjunktur

Ob die SNB denn nun beim jüngsten Aufwertungsschub wenigstens subtil eingegriffen hat, ist laut Experten schwierig zu sagen. Die am Montag veröffentlichten Sichtguthaben für letzte Woche deuten laut CS-Ökonom Maxime Botteron aber nicht auf Interventionen hin. Die Einlagen von Banken und anderen Institutionen legten um 1,4 Milliarden Franken zu. Das dürfte auf normale, saisonale Effekte zurückzuführen sein, sagte Botteron.

Viele Experten rechnen aber damit, dass die SNB den Franken nicht unter 1,06 oder 1,05 fallen lässt. «Ab 1,06 Franken wird es kritisch, definitiv dann aber bei der Parität», sagt Zehnder. Zuletzt war der Euro-Franken-Kurs 2015 unter 1,05 Franken gefallen.

Dennoch gibt es für die SNB auch einen Lichtblick: Rückenwind komme vom Umfeld, so Zehnder. So entspannte sich die Lage im Handelskonflikt mit der Teileinigung zwischen den USA und China. Und auch die Konjunkturdaten seien zuletzt nicht so schlecht ausgefallen. Wenn sich diese Daten etwa für die Eurozone verfestigten, könnte sich der Euro stabilisieren.

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