27.01.2017 10:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Grossbritannien
Fit machen gegen Aldi & Lidl
Der grösste britische Detailhändler Tesco rüstet sich mit einem Zukauf gegen die anhaltende Konkurrenz von Aldi und Lidl. Für 3,7 Milliarden Pfund (umgerechnet 4,7 Milliarden Franken) übernimmt Tesco den Grosshändler Booker, wie beide Firmen am Freitag bekanntgaben.

Tesco-Chef Dave Lewis sieht darin Chancen auf Wachstum, da der fusionierte Konzern unter anderem bei den Lieferketten profitieren kann und sich so in der Branche absetzt.

2014 Neuausrichtung

Booker ist der grösste Grosshändler auf der Insel und Tesco beliefert somit künftig auch Cafes, Restaurants und Pubs. Das Geschäft wuchs zuletzt stärker als der klassische Verkauf von Lebensmitteln in Supermärkten. Dort waren in den vergangenen Jahren die Ketten durch den harten Wettbewerb mit den Discountern unter Druck geraten und suchten Wege aus der Krise.

Am Markt kamen die Pläne gut an. «Das alte Tesco ist zurück», sagte Analyst John Ibbotson von der Beratungsfirma Retail Vision. «Das ist ein kühner Schachzug und zeigt eine Zielgerichtetheit, die in den vergangenen zehn Jahre so gut wie nicht vorhanden war.» Mit einer Neuausrichtung wollte der seit 2014 amtierende Tesco-Chef Lewis den Branchenprimus wieder in die Spur bringen. Das könnte sich ausgezahlt haben. Ein florierendes Weihnachtsgeschäft beschert Tesco wohl das erste Gewinnplus seit fünf Jahren.

Kehrtwende bei der Unternehmensstrategie

Der Zukauf stellt auch eine Kehrtwende bei der Unternehmensstrategie dar. Um das Hauptgeschäft mit Lebensmitteln in Grossbritannien wieder anzukurbeln, verkaufte Lewis für mehrere Milliarden das Geschäft in Südkorea und der Türkei sowie die Restaurantkette Giraffe. Die Aktien von Booker hievte die Offerte an der Londoner Börse um über 15 Prozent auf ein Rekordhoch von 211,5 Pence. Tesco-Titel stiegen in der Spitze um gut zehn Prozent und steuerten damit auf den grössten Tagesgewinn seit zwei Jahren zu.

Ein Experte warnte jedoch davor, dass der Deal bei den Wettbewerbsbehörden auf Widerstand stossen könnte. Der Tesco-Chef sieht das anders. Er kaufe ja keine neuen Geschäfte hinzu, sagte Lewis dem BBC Radio.

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