20.05.2015 10:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Fenaco
Fenaco: Energie als Wachstumstreiber
Der Landwirtschafts- und Lebensmittelkonzern Fenaco hat im letzten Jahr mehr umgesetzt und verdient. Der Umsatz wuchs um 2,8 Prozent auf 6,2 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn stieg um 12,5 Prozent auf 122,7 Millionen Franken.

Nach dem Gewinneinbruch im Jahr davor verdiente Fenaco unter dem Strich 58,2 Mio. Franken. Das ist ein Plus von 14,1 Prozent im Vergleich zu 2013. Die Gewinnerhöhung sei profitablem Wachstum, Effizienzsteigerungen und der Verbesserung der Kostenstrukturen zu verdanken, teilte die von landwirtschaftlichen Genossenschaften getragene Fenaco am Mittwoch in einem Communiqué mit.

Die Messlatte lag hoch: 2013 erzielte der Konzern ein Umsatzplus von 6,1 Prozent. Im vergangenen Jahr wuchs Fenaco zwar nicht mehr ganz so stark, brachte es aber immer noch auf ein Plus von 2,1 Prozent. Damit schaffte es die Genossenschaft auf den Rekordumsatz von 6,2 Mrd. Franken.

Leichte Einbussen musste Fenaco lediglich in der Lebensmittelindustrie hinnehmen. Alle anderen Divisionen - Agrar, Detailhandel und Energie - legten zu. Am grössten war das Wachstum mit 6,4 Prozent im Energiebereich mit der Marke Agrola. Das erstaunt auf den ersten Blick, sind die Energiepreise in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres doch stark zurückgegangen.

Diesel und Holzpellets als Wachstumsmotoren

Der Rückgang konnte aber dank gesteigerten Verkäufen und Marktanteilsgewinnen beim Diesel kompensiert werden. Diesel ist in der Schweiz bekanntlich teurer als Benzin. Von dieser Preisdifferenz profitiert Agrola gleich doppelt: Zum einen nimmt der Anteil der Dieselfahrzeuge in der Schweiz stetig zu. Zum anderen liegen die meisten Agrola-Tankstellen auf dem Land, wo die Leute traditionell Dieselfahrzeuge vor Benzinern bevorzugen.

Doch nicht nur der Diesel sorgte für einen höheren Umsatz im Energiebereich, sondern auch die Verkäufe von Holzpellets. Dank Investitionen in die Produktion, die Lagerung und den Vertrieb der Pellets, habe sich Agrola als führende Anbieterin am Markt etablieren können, heisst es in einer Mitteilung am Dienstag.

Erneuerbare Energie gewinnen an Gewicht

Mit den Holzpellets hat sich Agrola ein weiteres lukratives und zukunftsträchtiges Standbein aufgebaut. Die kleinen Briketts erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit als Brennstoffe in neuen Heizsystemen. Anders als die fossilen Brennstoffe sind die Pellets zudem relativ geringen Preisschwankungen ausgesetzt.

Überhaupt gewinnen die erneuerbaren Energien im Geschäftsmodell der Fenaco an Gewicht. Im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 sei es von zentraler strategischer Bedeutung den Mitgliedern, also den lokalen Landi-Genossenschaften und den Bauern, neue Handlungsoptionen zu ermöglichen, sagte Fenaco-Chef Martin Keller an der Bilanzmedienkonferenz in Bern.

Umsatz Divisionen

Das Geschäftsfeld Energie mit dem Erdölhändler Agrola war der stärkste Wachstumsmotor von Fenaco. Der Umsatz stieg um 6,4 Prozent auf 1,22 Mrd. Franken, hauptsächlich getrieben vom Trend zu Dieselfahrzeugen. Der Detailhandel konnte den Umsatz um 5,1 Prozent auf 1,83 Mrd. Fr. verbessern. Dabei erzielte die Volg-Gruppe ein Wachstum von 4,1 Prozent auf 1,46 Mrd. Franken. Dazu trugen alle drei Ladenformate bei - die Volg-Dorfläden, die Tankstellenshops TopShops und die freien Detailhändler, die neu unter der Marke Prima auftreten. Im Agrargeschäft stieg der Umsatz um 1,7 Prozent auf 1,82 Mrd. Franken. Dagegen sank in der Lebensmittelindustrie der Umsatz um 1,6 Prozent auf 1,31 Mrd. Franken.

Einstieg ins Solargeschäft

Auf ihrem Weg zur umfassenden Energieanbieterin hat sich die Fenaco bereits einige Minderheitsbeteiligungen an Biogasanlagen gesichert. Inzwischen hat sie sich auch den Solaranlagehersteller Solvatec einverleibt. Der damit verbundene Einkauf von Know-how bezeichnete Ferdinand Hirsig, der neben dem Detailhandel auch die Division Energie leitet, als zentral.

Immer wieder sei die Genossenschaft in der Vergangenheit von Bauern kontaktiert worden, die sich für die Installation von Solarzellen auf ihren Scheuen- und Hofdächern interessiert hätten, erklärte Hirsig. Während die Fenaco den Bauern in solchen Fällen nur mit Ratschlägen zur Seite stehen konnte, besitze die Genossenschaft dank den Ingenieuren von Solvatec nun die Möglichkeit, diese Anlagen gleich selber zu planen und bauen.

Vom Landwirt zum Energiewirt

Hirsig betonte, dass mit dem neuen Engagement von Fenaco im Solarbereich der Nutzen für den einzelnen Bauern im Vordergrund stehe. Es gehe darum Lösungen zu entwickeln, damit die Bauern den Strom für den Eigenbedarf speichern könnten.

Damit liesse sich laut Hirsig auch die Abhängigkeit der Bauern von der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV verringern. Die Warteliste für Vergütungen sei bekanntlich lang, und es gebe Indizien, dass vorrangig Solarproduzenten in urbanen Gebieten von den Fördergeldern profitierten.

Nach der Deckung des Eigenbedarfs ist für Hirsig in einem zweiten Schritt auch der Handel mit Solarstrom denkbar. Die Landwirte könnten zu Energiewirten werden, und die Fenaco als Stromanbieterin auch private Haushalte mit Ökostrom vom Bauernhof beliefern. Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg. Doch die Fenaco hat es auch in anderen Geschäftsbereichen verstanden möglichst die ganze Wertschöpfungskette unter ihre Kontrolle zu bringen. Vor diesem Hintergrund wäre der Einstieg der Fenaco in den Strommarkt ein logischer Schritt. Oder eben, «de la terre à la table».

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