31.07.2020 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Getreidemarkt
EU: Weizenproduktion sinkt deutlich
Die Europäische Kommission erwartet für 2020 mit rund 123,8 Mio. t eine deutlich geringere Weizenernte als im Vorjahr (-10,5%). Sowohl die Anbaufläche (-4,5%) als auch die Hektarerträge liegen unter den Werten von 2019. Trotz einer höher erwarteten Maisernte (+3,6%) sinkt die EU-Getreideproduktion um 4,0%.

Auf insgesamt 52,5 Mio. ha wurde in der EU 2020 Getreide angebaut, wobei Roggen (+4,5%) und Gerste (+1,8%) die stärksten Flächenzuwächse verzeichneten.

Komfortable Lagerbestände 

Innerhalb Europas konzentrieren sich die zu erwartenden Produktionsrückgänge auf Frankreich, Rumänien, Ungarn und Deutschland. Durchschnittliche Wetterbedingungen mit gut verteilten Niederschlägen und wenigen Hitzeperioden begünstigen die Ernteaussichten, verzögern jedoch den Erntefortschritt in den nördlichen Anbaugebieten.

Aufgrund der geringer prognostizierten Getreideernte in Höhe von 282,3 Mio. t geht die EU-Kommission von sinkenden Exporten aus. Die EU-Ausfuhren erreichten im Vorjahr (52,6 Mio. t) das grösste Ausmass seit fünf Jahren. Für 2020 wird einerseits aufgrund der geringeren Weizenernte und andererseits wegen der stärkeren Konkurrenz durch Russland sowie Australien mit einem deutlich gesunkenen Exportprogramm gerechnet (41,0 Mio. t). Die EU wird als wichtigster Weizenexporteur von Russland verdrängt. Die Europäische Kommission erwarte eine gute Versorgungslage 2020/2021 für den europäischen Getreidemarkt mit weiterhin hohen Lagerbeständen in Höhe von 49,0 Mio. t. 

Erneut Produktionseinbruch bei Raps 

Die europäische Rapsernte sinkt das zweite Jahr in Folge deutlich unter den Durchschnittswert und erreicht voraussichtlich 15,4 Mio. t. Bedingt durch schwache Erträge, liegen die zu erwartenden Produktionsrückgänge in den Hauptanbaugebieten Frankreich und Deutschland um zirka 30% unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Wesentlich positiver stellen sich die Ertragsaussichten für Sonnenblume und Sojabohne dar. Bei beiden Kulturarten wurde die Anbaufläche ausgedehnt. Insgesamt wird die EU-Ölsaatenerntemenge auf rund 28,9 Mio. t geschätzt und liegt somit unter dem Durchschnitt der letzten Jahre. 

Neuer Rekord der globalen Getreideproduktion 

Der Internationale Getreiderat (IGC) erwartet in diesem Jahr einen Rekord der Getreideproduktion von 2,225 Mrd. t. Die weltweite Maisernte (1,164 Mrd. t) übertrifft erstmals seit vier Jahren den bisherigen Rekord aus 2016, während die Welt-Weizenernte (762 Mio. t) das hohe Niveau aus dem Vorjahr halten kann. 

Die Weizenernte verzeichnet nahezu eine Verdoppelung in Australien, dem fünfgrössten Weizenlieferanten auf den Weltmarkt. Zuwächse der Weizenproduktion sind auch in Russland, Kanada und Argentinien zu verzeichnen. Rückgänge werden in der EU-27 - dem grössten Weizenproduzenten weltweit -, in den USA sowie in der Ukraine erwartet. Für den erwarteten Maisproduktionsrekord sind Zuwächse in den USA (+10,1%) - dem weltweit grössten Maisproduktionsland - verantwortlich. Höhere Maisernten werden auch in Brasilien, in der Ukraine, in der EU-27 sowie in Russland erwartet. 

Produktion übersteigt Verbrauch

Mit geschätzten 2,218 Mrd. t wächst der weltweite Getreideverbrauch auf ein neues Rekordniveau (+1,8%), liegt jedoch erstmals seit vier Jahren unter der Produktionsmenge. Rückgänge der Weizenverfütterung (-3,8%) - bedingt durch die COVID-19-Krise - werden durch einen erhöhten Nahrungsverbrauch von Weizen kompensiert.

Bei Mais werden weiterhin weltweit Anstiege in der industriellen Verarbeitung sowie in der Verfütterung erwartet. Die globale Versorgungslage ist mit Lagerendbeständen in Höhe von 28,2% des weltweiten Verbrauchs gut und liegt laut dem Experten jedoch trotz Produktionsrekord unter dem Spitzenwert aus 2016. 

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