18.09.2015 16:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Getreide
Erste Marktentlastung seit 2011
Es herrscht ein Brotweizenüberschuss. Die Getreideproduzenten schlagen deshalb vor, 25'000 Tonnen Weizen zu deklassieren. Deren Präsident, Fritz Glauser, erklärt, wieso dies trotz den zusätzlichen Importen 2015 nötig ist.

«Die von Swiss Granum durchgeführte Ernteerhebung und die gesammelten Informationen am Markt zeigen einen Überschuss an Brotgetreide der Ernte 2015», schreibt der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) in einer Mitteilung. Basierend auf dem üblichen Bedarf für die Müllerei von gut 400'000 Tonnen, schlägt der SGPV daher vor, den Markt um 25'000 Tonnen backfähigen Weizen der Klassen Top, I und II zu entlasten. Dies ist die erste Marktentlastungsmassnahme seit vier Jahren.

Differenz aus dem Fonds

«Dafür haben wir unseren Marktentlastungsfonds, in den jeder Produzent 75 Rp./dt Brotgetreide einzahlt», erklärt SGPV-Präsident Fritz Glauser. «Damit erhält der Produzent schlussendlich den vollen Brotgetreidepreis für seinen deklassierten Weizen.»

Die «Erstübernehmer», hauptsächlich Sammelstellen, können an der Marktentlastung teilnehmen, indem sie ihre Angebote bis am 29. September 2015 spätestens um 12 Uhr dem SGPV zukommen lassen. Sie vermerken die Menge und die Qualitätsklasse, die sie für die Deklassierung vorschlagen, sowie den Entschädigungsbetrag, den sie für diese Dienstleistung wünschen.

Durch Lebensmittelfarbe gekennzeichnet

«Eine Sammelstelle rechnet also ihren deklassierten Brotweizen zum Futterweizeneinstandspreis ab. Dem Produzenten zahlt sie aber den Brotgetreidepreis aus. Die Preisdifferenz gibt sie im Gesuch als benötigte Entschädigung ein», macht Glauser ein Beispiel. Die aus Produzentensicht kostengünstigsten Offerten werden für die Deklassierungsverträge berücksichtigt.

Die Deklassierung wird zwischen dem 5. Oktober und dem 6. November vorgenommen. «Es ist wichtig, dass wir jetzt deklassieren, wenn der Grenzschutz für Futterweizen noch hoch ist, um möglichst gute Preise für das Futtergetreide zu lösen», so Glauser. Die deklassierte Ware wird durch Lebensmittelfarbe gekennzeichnet, um sicherzustellen, dass die Ware in den Futtersektor gelangt.

Trotz Importen nötig

Doch wie kann es sein, dass das Importkontingent Brotgetreide 2015 wegen der schlechten Vorjahresernte um 20000 Tonnen aufgestockt wurde und nun das Inlandgetreide deklassiert werden soll?

«Die zusätzlichen 20000 Tonnen wurden bereits im Frühling importiert, in der 2. Hälfte der Getreidekampagne 2014/2015, in der wir schlicht zu wenig Inlandgetreide hatten», erklärt der SGPV-Präsident. «Da hatten wir ja noch kein Inlandgetreide aus der neuen Ernte zur Verfügung.» Im 2. Halbjahr 2015 dürften hingegen nur die üblichen 30'000 Tonnen importiert werden. Diese Menge brauche es, da alleine der Bedarf an Bioimportgetreide in diesem Zeitraum bei rund 20'000 Tonnen liege, stellt Glauser klar. 

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