15.05.2019 09:56
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Wirtschaft
Erfolgsbeteiligung für Bauern wird fortgeführt
Der genossenschaftlich organisierte Agrarkonzern blickt auf ein gutes Jahr zurück. Vom guten Ergebnis sollen auch die Bauern profitieren. Auch 2019 soll eine Erfolgsbeteiligung ausgeschüttet werden. Zudem will der Konzern bei der Futtermittelindustrie mehr einheimische Rohstoffe einsetzen.

Der Konzern konnte im vergangenen Jahr kräftig wachsen. Der Nettoerlös erhöhte sich um 8,1 Prozent auf 6,77 Milliarden Franken. Von den 505 Millionen waren 74 Millionen auf Übernahmen zurückzuführen, 190 Millionen preisbedingt und 241 Millionen sind auf ein organisches Wachstum zurückzuführen.

Arealverkäufe lassen Gewinn massiv steigen

Das Betriebsergebnis erhöhte sich 131 Millionen (+ 8 Millionen), der Gewinn stieg um 31,2 Prozent auf 129,5 Millionen Franken. Dies hauptsächlich dank dem Verkauf der Areale in Herzogenbuchsee (BE) und Hitzkirch (LU). in den kommenden Jahren sind keine Veräusserungen geplant, deshalb dürfte der Gewinn wieder tiefer ausfallen. Das gute Resultat sei insgesamt auf Wachstum, Kostenkontrolle und Effizienzsteigerungen zurückführen, teilt die Fenaco mit.

Wie der Konzern am Mittwoch vor den Medien weiter ausführte, trugen alle vier Divisionen (Agrar, Detailhandel, Energie und Lebensmittelhandel) zum Wachstum bei. Die Division Agrar (+6% auf 1,9 Mrd. Fr.) konnte Marktanteile ausbauen bei den Futtermitteln und der Landtechnik im In- und Ausland. Das Wachstum bei der Lebensmittelindustrie (+1,9% auf 1,27 Mrd. Fr.) ist vorwiegend megenbedingt. Stark gewachsen ist der Detailhandel, erstmals auf über 2 Milliarden Franken. Alle drei Formate, Landi-Läden, Volg und Top-Shop, sind gewachsen. Den grössten Schub erfuhr die Division Energie (+27,6% auf 1,46 Mrd. Fr.). Das Wachstum ist zur Hälfte auf eine Mengensteuerung und höhere Preise zurückzuführen.

Insgesamt 30 Millionen ausgeschüttet

2018 schüttete die Fenaco zum 25-Jahre-Jubiläum eine Erfolgsbeteiligung aus. Insgesamt registrierten sich 11'800 Betriebe. Positiver und von den Fenaco wohl angestrebter Effekt: Die Landi konnten 1000 Neumitglieder begrüssen.

Insgesamt schüttete die Fenaco 4,7 Millionen Franken an die angemeldeten Betriebe aus. Zusätzlich wurden Geschenkpakete im Wert von 1,75 Millionen verschickt. Nebst der Erfolgsbeteiligung wurden die Anteilscheine zu 6 Prozent verzinst. Somit flossen weitere 9,2 Millionen Franken an die Mitglieder, die Landi erhielten eine Leistungsprämie von 15,2 Millionen. «Insgesamt überwies die Fenaco 2018 über 30 Millionen Franken an die Landi, an die Mitglieder und an die Bauern», teilte die Fenaco am Mittwoch mit.

Aufgrund des guten Geschäftsergebnisses von 2018 soll auch in diesem Jahr eine Erfolgsbeteiligung ausgeschüttet werden. Die Erfolgsbeteiligung soll deshalb langfristig fortgeführt werden, sagte Martin Keller, Chef der Fenaco. Die Bauern sollen vom Erfolg der Divisionen Detailhandel und Energie finanzielle profitieren. Der Konzern geht davon aus, dass rund 18'000 Betriebe die Kriterien erfüllen. "Im ersten Jahr haben knapp 12'000 Bauern teilgenommen. Wir haben also Potenzial nach oben", fuhr Keller fort. Die Höhe der Erfolgsbeteiteligung für die Bauern dürfte 2019 in der Höhe des Vorjahres zu liegen kommen, sagte Keller. Gehe aber die Entwicklung so weiter, sei eine schrittweise Erhöhung der Ausschüttung gut möglich, fuhr der Konzernchef aus.

Erfolgsbeteiligung

Aktive Bauern, die bei der Fenaco Agrarprodukte wie Futtermittel, Dünger oder Saatgut einkaufen und einen jährlichen Mindestumsatz von 5000 Franken erzielen, werden mit einer Erfolgsbeteiligung bedacht. Ab 5000 Franken gibt es ein Überraschungspaket (100 Franken) mit Fenaco-Lebensmitteln.

Bei einem Umsatz ab 10’000 Franken werden 200 Franken dem Kontokorrent gutgeschrieben. Bei einem Umsatz von über 25000 Franken erhält der Bauer eine Gutschrift von 500 Franken. Setzen die Bauern bei den Landi mehr als 50’000 Franken um, werden 1000 Franken rückvergütet. 

Nachhaltigkeit ausbauen

Die Innovation, Nachhaltigkeit und die internationale Kompetenz sind die Schwerpunkte der Fenaco. Die Nachhaltigkeit ist für die Fenaco sehr wichtig. Das Interesse sei erfreulich, aber auch eine Herausforderung, sagte Keller.  Die nachhaltige Produktion und die Rückverfolgbarkeit seien den Konsumenten wichtig. «Die Fenaco kennt die Bedürfnisse der Wertschöpfungsteilnehmer genau», so Keller

«Wir begrüssen die Rückmeldungen, das Interesse und die Kritik», so Keller. Die Fenaco will agieren und informieren.  Der Nachhaltigkeit wird noch mehr Gewicht zugemessen.  Drei Projekte rückte das Unternehmen am Mittwoch ins Zentrum, die derzeit die Öffentlichkeit bewegen.

Mehr einheimische Rohstoffe für Futtermittel

Im Zuge der Anti-Pesitizid-Initiativen will die Fenaco Gegensteuer geben. Das Unternehmen will die Führungsrolle beim alternativen Pflanzenschutz einnehmen. Keller kommunizierte am Mittwoch Massnahmen. Die Fenaco will die Bauern überzeugen, auf immer mehr Flächen alternative Pflanzenschutzmethoden anzuwenden. Keller nennt die biologische Schädlingsbekämpfung mit Schlupfwespen. Dank dem Mulitkopter würden bereits 12'000 ha über die Luft gegen den Maiszünsler behandelt.

Auch die Lebensmittelverschwendung (Food Waste) will die Fenaco reduzieren. Oberstes Ziel sei es, dass Lebensmittel durch Menschen verzehrt würden, so Keller. An zweiter Stelle liegt die Verfütterung an Nutztiere. Dritte Priorität hat die Verwertung der Lebensmittel für Energie. Zudem will die Fenaco die Lebensmittelabfälle minimieren, indem die Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie weiterverwendet werden. Ein Grossteil davon fliesst in die Futtermittelindustrie (Melior, Ufa).

Zudem möchte die Fenaco den Anteil von Schweizer Rohstoffen in der Futtermittel- und Lebensmittelproduktion weiter erhöhen. «Dies im Wissen, dass eine autarke Versorgung nicht möglich sein wird», macht der Konzernchef Keller klar. Aber insbesondere bei Futtermittelindustrie will die Fenaco den Anteil der Importe senken. Das heisst, dass der Anbau von Futtergetreide ausgebaut werden soll.  

Wachstumsfeld Digitalisierung

Ein Schwerpunkt und auch ein Wachstumsfeld für die Fenaco ist die Digitalisierung. Die Dokumentations- und Betriebsmanagementplattform Barto gehört zum einem Drittel der Fenaco. «Das Smart Farming wird die Schweizer Landwirtschaft verändern. Wir sehen uns in der Verantwortung, die Bauern bei der Digitalisierung zu unterstützen», sagte Keller. 

Barto ist eine Partnerschaft mit der Smart-Farming-Plattform 365FarmNet eingegangen. Das Unternehmen ist eine Tochter des deutschen Landtechnik-Hersteller Claas. Die Fenaco wiederum ist über das Tochterunternehmen Serco Landtechnik AG Importeur von Claas für die Schweiz. Barto soll weiter ausgebaut werden. Gegen Ende Jahr wird die Plattform mit dem elektronischen Feldkalender erweitert. 

Guter Start ins neue Jahr

«Der Start ins neue Jahr ist geglückt. Im April jedoch hat das Wetter die Entwicklung gebremst», so Keller. Es werde aber noch einige Jahren dauern, so gute Zahlen wie 2018 zu erreichen, mahnte Keller. Für 2019 rechnet die Fenaco deshalb einen Umsatz und einen Gewinn in der Höhe der Jahre vor 2018. Fenaco beschäftigte Ende 2018 insgesamt 10'179 Mitarbeitende, rund 120 mehr als vor Jahresfrist. Die Anzahl der Mitgliedsgenossenschaften sank weiter auf 186 von 192. Die Fenaco gehört den gut 43'000 Mitgliedern, davon 22'000 Bauern. 

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