29.01.2020 09:27
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/awp
Milchmarkt
Emmi: Caffè Latte und Ziegenkäse
Der grösste Schweizer Milchverarbeiter hat im Geschäftsjahr 2019 mehr Caffè Latte, Ziegenkäse und Desserts verkauft. Die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr wurden entsprechend bestätigt.

Der Konzernumsatz stieg im Berichtsjahr um 1,1 Prozent auf 3,49 Milliarden Franken. Organisch, d.h. währungs- und akquisitionsbereinigt, waren es +2,2 Prozent. Die beim Halbjahr veröffentlichte Prognose (1,5 bis 2,5%) wurde damit erreicht, die Analysten-Schätzung (+1,8%) gar klar übertroffen. 52 Prozent des Umsatzes realisiert der Milchverarbeiter im Ausland.

Dessert, Ziegenmilch und Caffè Latte

Wachstumstreiber waren die strategischen Nischenmärkte wie italienische Dessertspezialitäten und Ziegenmilchprodukte, Caffè Latte und die Wachstumsmärkte Lateinamerika und Nordafrika, wie Emmi am Mittwoch mitteilte. Im zweiten Halbjahr ist der Umsatz organisch wesentlich stärker gewachsen als noch im ersten Halbjahr, insbesondere in den Divisionen Schweiz und Europa, so Emmi.

2019 hat Emmi auch am Beteiligungs- und Produkteportfolio gearbeitet. So haben die Luzerner ihre Position in Wachstumsmärkten ausserhalb Europas weiter gestärkt und Investitionen in Nischen getätigt. «Wir waren 2019 akquisitorisch sehr aktiv und haben uns damit für die kommenden Jahre wichtige Entwicklungspotenziale erschlossen», lässt sich Konzernchef Urs Riedener im Communiqué zitieren.

Positive Faktoren Umsatz:
• Akquisition einer Blauschimmelkäse-Produktionsstätte (USA, 28. Februar 2019)
• Akquisition der Leeb Biomilch GmbH und Hale GmbH (Österreich, 8. Oktober 2019)
• Akquisition der Laticínios Porto Alegre Indústria e Comércio S.A. (Brasilien, 24. Oktober 2019)
• Akquisition der Pasticceria Quadrifoglio S.r.l. (Italien, 31. Oktober 2019)

Negative Faktoren (Devestitionen):
• Verkauf der Emmi Frisch-Service AG (Schweiz, 3. April 2019)
• Verkauf eines Teils des Handelswarengeschäfts (Schweiz, 1. Januar 2018)

Schweiz: Käseimporte belasten

In der Division Schweiz resultierte 2019 ein Umsatz von 1,68 Mrd. Fr. (2018: CHF 1,71 Mrd. Fr.). Dies entspricht einem Rückgang um 2.2 %. Bereinigt um Devestitionseffekte (Verkauf der Emmi Frisch-Service AG an Transgourmet sowie Verkauf eines Teils des Handelswarengeschäfts an Coop) resultiert ein organisches Umsatzwachstum von 1.0% 

Dies führt Emmi auf die positive Entwicklung von Caffè Latte und die Milchpreiserhöhung per 1. Oktober 2019 zurück. Emmi sei es trotz markanten Preisdruck gelungen, die Absatzmengen von Milch und Rahm zu steigern. Ebenfalls ein organisches Wachstum resultierte im Segment Frischkäse. Beim Käse hingegen wurde ein Umsatzrückgang registriert. Emmi-Markenkonzepte wie der Luzerner Rahmkäse oder Scharfer Maxx legten zu, allerdings wirkten sich deutlich gestiegene Käseimporte und der damit zusammenhängende Preisdruck negativ auf die Umsatzentwicklung aus. Auch nicht zufrieden ist Emmi mit dem Absatz von Jogurt und Glace in der Schweiz. Der Anteil der Division Schweiz am Konzernumsatz betrug (noch) 47.9%. (2018: 49.6%)

Americas: Unruhen und Milchknappheit

Das organische Wachstum der Division Americas lag mit 4,1 Prozent hingegen am unteren Ende der angestrebten Bandbreite (4 bis 6%). Im grössten Segment Käse haben lokal hergestellte Kuhmilchkäse in den USA und Chile sowie das Ziegenkäsegeschäft (Cypress Grove) das Wachstum positiv beeinflusst. In den Produktgruppen Molkerei- und Frischprodukte hemmten die sozialen Unruhen in Chile und die in Tunesien herrschende Milchknappheit das Wachstum leicht. 

Der Umsatz mit Molkereiprodukten litt zudem unter der schwierigen Marktsituation in Spanien, wo das für Kaiku wichtige Segment der laktosefreien Milchprodukte stark unter. Die Division Americas umfasst die Märkte USA, Kanada, Mexiko, Chile, Tunesien, Spanien (ohne Lácteos Caprinos), Frankreich und seit Oktober 2019 auch Brasilien. Der Anteil der Division am Konzernumsatz betrug 31.9% (2018: 30.2%).

Europa: Dessert und Caffè Latte

Die Division Europa verzeichnete ein organisches Wachstum von 1,6 Prozent, was über der erwarteten Bandbreite (-1 bis +1%) liegt.In dem in dieser Division gewichtigsten Segment Frischprodukte waren die strategisch wichtigen italienischen Dessertspezialitäten und Emmi Caffè Latte die entscheidenden Erfolgsfaktoren, schreibt Emmi. Caffè Latte legt in der gesamten Division zu, am stärksten in Grossbritannien. Erfolgreich war Emmi auch beim Geschäft mit  Ziegenmilchpulver des Handelsunternehmen AVH dairy in den Niederlanden.

Rückläufige Mengen und tiefere Preise bei der Gläsernen Molkerei in Deutschland hat das Wachstum belastet. Der Bereich Käse entwickelte sich organisch insgesamt negativ, was primär auf tiefere Umsätze mit Sortenkäse (vor allem Emmentaler) zurückzuführen ist, hält Emmi fest. Die Division Europa umfasst die Märkte Italien, Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Grossbritannien und Lácteos Caprinos in Spanien. Der Anteil der Division am Konzernumsatz betrug 17.0% (2018: 17.1%).

Gewinnerwartung bestätigt

Die Division Global Trade beinhaltet primär Direktverkäufe aus der Schweiz an Kunden in Ländern, in denen Emmi keine eigenen Gesellschaften hat. Der Umsatz belief sich auf 111.5 Mio. Fr. (2018: 106.6 Mio. Fr.), was einer Zunahme um 4.6 % entspricht. Das Wachstum wird in erster Linie mit den stark angestiegenen Milchpulverexporten (Pulver/Konzentrate) erklärt. Mit einem Umsatzanteil von gut 3 Prozentist die Division aber klein.

Gewinnzahlen werden erst am 2. März bekannt gegeben. Emmi bestätigte aber die August abgegebene Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2019 mit einem Betriebsgewinn von 215 bis 220 Millionen Franken und einer Reingewinn-Marge von 4,7 bis 5,2 Prozent.

Das Umsatzwachstum der Division Global Trade
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