3.02.2016 06:41
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Erdöl
Die mächtigen Ölmultis im Staatsbesitz
Saudi-Arabien und Russland zählen zu den wichtigsten Ölförderern der Welt. Doch die Konzerne, die dafür verantwortlich sind und meist im Staatsbesitz, sind weit unbekannter als westliche Energieriesen wie ExxonMobile, BP oder Shell. Ein Überblick:

SAUDI-ARABIEN: Die staatliche saudische Ölfirma Aramco gilt als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Kein Wunder, schliesslich speist sich der Staatshaushalt des superreichen Königreiches zu fast 90 Prozent aus Öleinnahmen. Genau wegen dieser Abhängigkeit trifft der Preisverfall den weltgrössten Erdöl-Exporteur besonders hart: Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge droht dem Land ein massives Defizit. Enorme Währungsreserven versetzen Saudi-Arabien und Aramco aber in die Position, an ihrer Politik festzuhalten und weiter grosse Mengen Öl in den Markt zu pumpen. Aramco-Chef Khalid Al-Falih liess zuletzt wissen, der Konzern werde seine Investitionen nicht kürzen. Dies gilt als Ablehnung, die Fördermenge zu reduzieren.

RUSSLAND: Rosneft ist nach eigener Darstellung der weltgrösste Ölproduzent in staatlicher Hand - die Regierung kontrolliert 69,5 Prozent der Anteile. Doch der Ölpreisverfall setzt den Staatshaushalt und damit auch Rosneft unter Druck. Eine Teilprivatisierung könnte schon bald frisches Geld in die russischen Kassen spülen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Traditionell enge Verbindungen zum Kreml verschaffen eine bedeutende Stellung: Vorstand Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns konnte sich Rosneft 2004 die Filetstücke einverleiben. Die Reserven belaufen sich nach Konzernangaben auf knapp 34 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl. Auch im Ausland engagiert sich Rosneft, etwa in Deutschland mit 50 Prozent an der Ruhr Oel GmbH sowie an der PCK Raffinerie GmbH in Brandenburg.

CHINA: Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Coporation. Im vergangenen Jahr stand der grösste chinesische Öl- und Chemiekonzern auf Platz zwei der «Forbes»-Liste der weltweit grössten Unternehmen. Der Staatskonzern ist auch der grösste Raffineriebetreiber in Asien. Mit seinen Tochtergesellschaften erkundet, erschliesst und fördert Sinopec Öl und Gas nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, unter anderem in Afrika. Mit dem Verfall der Ölpreise gerät aber auch Sinopec unter Druck. Die Ölfördermenge ging im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent zurück, während die Gasproduktion noch um 2,6 Prozent zulegte. Erstmals seit 16 Jahren fiel damit seine gesamte Produktion von Öl und Gas - mit einem Minus von 1,7 Prozent. Der Konzern ist an den Börsen in Hongkong, New York, London und Shanghai gelistet, aber mehrheitlich in chinesischem Staatsbesitz.

VENEZUELA: Der komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das grösste Erdölunternehmen Lateinamerikas - und schwer unter Druck, da mit seinen Einnahmen die Sozialprogramme finanziert werden. Bei einem Preis von weniger als 30 Dollar je Barrel ist das aber kaum noch möglich. Das Unternehmen hat rund 150 000 Mitarbeiter und nach eigenen Angaben Förderkosten von 13 Dollar je Barrel. Eine Tankfüllung kostet umgerechnet keine 5 Cent - das Land mit den grössten Ölreserven subventioniert Benzin mit rund 10 Milliarden Dollar im Jahr. Etwa 700'000 Barrel Öl werden pro Tag in die USA exportiert, nach China 500'000 und an Karibikstaaten, vor allem Kuba, rund 200 000. Die Fördermenge soll derzeit 2,8 Millionen Barrel Öl und Flüssiggas pro Tag betragen.

IRAN: Die National Iranian Oil Company (NIOC) ist eine staatliche Firma und Teil des iranischen Ölministeriums. Seit der Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie 1951 ist die NIOC hauptsächlich zuständig für den Ausbau der Ölindustrie, den Export des iranischen Erdöls und die Koordinierung mit der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec). Das international tätige Unternehmen hat seinen Hauptsitz in der Hauptstadt Teheran. Geschäftsführer ist Rokneddin Dschawadi, zugleich Vize von Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh. Nach dem Atomabkommen will die NIOC sowohl Produktion als Export erhöhen. Demnach könnte der Iran bis Mitte 2016 seine Ölproduktion von 2,9 Millionen auf fast 4 Millionen Barrel je Tag erhöhen. Mit der geplanten Modernisierung der Ölindustrie wäre auch eine höhere Produktion möglich.

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