8.12.2015 09:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Thurgau
Deutsche Rüben für Frauenfeld
Die Anbaubereitschaft der Rübenpflanzer in der Ostschweiz hat stark abgenommen. Um die Zuckerfabrik Frauenfeld auslasten zu können, sucht die Schweizer Zucker AG nun nach Produzenten in Deutschland. Was halten Sie von den Plänen von Schweizer Zucker? Diskutieren Sie mit und nehmen Sie an der Umfrage teil.

«Wir prüfen, ob es sinnvoll ist, deutsche Rüben in Frauenfeld zu verarbeiten», bestätigt der Direktor der Schweizer Zucker AG Guido Stäger auf Anfrage. Im Moment gehe es um kleine Mengen, Verträge seien noch keine abgeschlossen. «Wir möchten aber zügig ein paar wenige Produzenten finden, um realistische Versuche durchzuführen.» Wichtig sei, dass die Wirtschaftlichkeit gegeben sei und die Transportkosten nicht zu hoch ausfielen. Bisher wurde dieser Ansatz nur für Biorüben angewendet.

Zu wenig Produzenten

Grund für das Vorgehen der Schweizer Zucker AG ist die abnehmende Anbaubereitschaft der Ostschweizer Zuckerrübenproduzenten bei den aktuell tiefen Rübenpreisen. «In der Ostschweiz bestehen offenbar für die Pflanzer bessere Alternativen, etwa im Gemüsebau oder in der Biolandwirtschaft», begründet Irene Vonlanthen, Geschäftsführerin der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) die Entwicklung. Die grossflächigen Ackerbaubetriebe in der Westschweiz könnten die Strukturkosten besser aufteilen und seien traditionell stärker mit dem Rübenanbau verbunden.

«Durch das Ungleichgewicht in der Produktion zwischen West und Ost muss die ganze Branche schon heute deutlich höhere Transportkosten tragen», weiss Stäger. Da es finanziell keinen Sinn mache, grosse Rübenmengen aus der Westschweiz nach Frauenfeld zu führen, werde jetzt die Verarbeitung der näher gelegenen deutschen Rüben geprüft, um die Zuckerfabrik weiterhin voll auslasten zu können.

Ja, aber

Der SVZ beurteilt die Idee differenziert. «Ein Vorteil ist sicher die bessere Auslastung der Zuckerfabrik in Frauenfeld und die damit tieferen Verarbeitungskosten, von welchen auch die Schweizer Rüben profitieren könnten», so Vonlanthen. «Andererseits befürchten wir verstärkten Druck auf die Schweizer Pflanzer, insbesondere in Regionen mit hohen Transportkosten, wenn die Schweizer Zucker AG den eigenen, günstigen EU-Zucker in der Schweiz verkaufen will.» Das könnte zu einer Verdrängung  von Schweizer Zucker führen.

Konkret stellen daher die Pflanzer folgende Forderungen an die Schweizer Zucker AG:

  • Der Zucker aus deutschen Rüben muss wieder ausgeführt werden (aktiver Veredelungsverkehr).
  • Kein zusätzlicher Druck auf Schweizer Pflanzer und Zucker.
  • Die Wirtschaftlichkeit der deutschen Rüben muss von der Schweizer Zucker AG transparent offen gelegt werden.
  • Keine Gewinnbeteiligung der deutschen Pflanzer an einem allfälligen positiven Spartenergebnis.

Fabriken sind gefährdet

Guido Stäger sieht grundsätzlich zwei Möglichkeiten, den Zucker aus den deutschen Rüben zu verkaufen: «Ab 2017 könnte dieser Zucker im Veredelungsverkehr in der EU in Verkehr gebracht werden. Oder der Zucker wird als EU-Zucker in der Schweiz anstelle von Importzucker verkauft.» Der Preis für den Zucker ergäbe sich in der EU durch den EU-Preis und in der Schweiz durch den Preis des Importzuckers.

Auf die Frage, ob der Betrieb der Zuckerfabrik Frauenfeld infrage gestellt ist, antwortet Stäger: «Die Zuckerwirtschaft und der Rübenanbau in der Schweiz sind bei den aktuell tiefen Zuckerpreisen durchaus gefährdet. Wenn die Auslastung der Zuckerfabriken sinkt, ist mittelfristig die Existenz beider Fabriken gefährdet. Es ist an der ganzen Branche, einerseits um bessere Rahmenbedingungen für Schweizer Zucker zu kämpfen, andererseits aber weitere Effizienzsteigerungen in der ganzen Wertschöpfungskette zu finden.»

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