4.06.2015 10:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Rohstoffe
Der Kampf ums schwarze Gold
Nach den Tiefpreisen zu Jahresbeginn haben die Ölpreise zuletzt wieder angezogen. Bei der Opec-Sitzung in Wien am Freitag werden die Weichen für die Preisentwicklung in nächster Zukunft gestellt.

Die für Autofahrer angenehmen Zeiten eines tendenziell fallenden Benzinpreises sind spätestens seit Januar vorbei. Seitdem ist Rohöl um rund 50 Prozent teurer geworden und hat sich bei 65 Dollar pro Barrel (159 Liter) für die Nordseesorte Brent eingependelt. «Beim Preis haben wir aktuell eine Seitwärtsbewegung», sagt der Analyst der deutschen Commerzbank, Carsten Fritsch.

Marktanteile sichern

Wohin die Reise mit den Preisen geht, hängt zentral von der Sitzung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) am Freitag in Wien ab. Wird die Förderquote gedrosselt, um die Preise weiter zu heben, so wie es einige der zwölf Opec-Mitglieder dringend wünschen? Die Vorzeichen stehen jedoch auf ein «Weiter so!» - und das hat seinen Grund.

«Die Strategie geht auf», sagt Fritsch zur Opec-Politik, die Fördermenge nicht einzuschränken und sich so Marktanteile zu sichern. Auch wenn die Opec das offiziell nicht als Begründung nennt, zielt ihr Plan auf das Konkurrenzprodukt Schieferöl aus den USA und Kanada.

Dämpfer fürs Fracking

Ein vergleichsweise niedriger Preis (zum Vergleich: im Juni 2014 kostete ein Barrel noch um die 110 Dollar) macht die Förderung des Schieferöls mittels Fracking weniger attraktiv. «Das Vorgehen ist der erwartete Dämpfer. Die Bohraktivitäten sind deutlich zurückgegangen», bilanziert Fritsch. 25 Wochen lang sei die Zahl der neuen Fracking-Bohrungen gefallen. 646 neue Bohrungen seien der niedrigste Stand seit August 2010.

Daher gilt es als wahrscheinlich, dass die Opec an der Strategie festhält. «Ich glaube, dass die Fördermenge stabil bleibt», sagt auch der Analyst beim britischen Energieberatungsunternehmen KBC, Ehsan Ul-Haq. Saudi-Arabien als weitaus wichtigstes Opec-Land signalisiere, dass die Massnahmen langsam Wirkung zeigten. Da nütze es wenig, dass der Iran, Venezuela und andere Opec-Länder dringend mehr Geld in der Ölkasse sehen wollten.

«Für die meisten wäre ein Ölpreis erst jenseits der 80 Dollar auskömmlich», meint Fritsch. Aber: In der Opec gibt Saudi-Arabien seit Jahrzehnten den Ton an - und pumpt auf Rekordniveau das «Schwarze Gold» an die Oberfläche.

Überangebot drückt Preise

Nach ihren eigenen Vorgaben sollte die Opec aktuell 30 Millionen Barrel am Tag fördern, es sind aber wohl eher 31 Millionen - rund ein Drittel der weltweiten Produktion. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris hat für 2015 einen durchschnittlichen Bedarf an Opec-Öl von rund 29 Millionen Barrel pro Tag errechnet.

Ein Preisanstieg ist unter dem Vorzeichen eines Überangebots in diesem Jahr nicht zu erwarten. Das sind zunächst keine guten Nachrichten für die vielen Schieferöl-Investoren in Amerika. Allerdings gibt es hier laut Ul-Haq eine grosse Bandbreite an Kosten. «Manche Produzenten können mit 35 Dollar leben, andere brauchen 70 bis 80 Dollar.» Auf längere Sicht sei ohnehin wieder mit einer Ausweitung der Schieferöl-Produktion zu rechnen, meint Ul-Haq. Der aktuelle Preis verlangsame nur das Produktions-Plus in Amerika.

Kommt der Iran zurück ins Geschäft?

Ein wichtiges Thema für die Opec-Sitzung wird laut Analysten auch die mögliche Rückkehr des Irans auf den globalen Ölmarkt sein. Sollten die Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik bei einer Einigung im Atomkonflikt fallen, sei zunächst damit zu rechnen, dass der Iran das gelagerte Öl auf den Markt bringe, sagt Fritsch.

Eine Produktion auf Vor-Sanktions-Niveau sei nicht so schnell zu erwarten - und damit auch kein sofortiges grosses Öl-Plus auf dem Weltmarkt. «Es ist im Iran sehr wenig investiert worden in den letzten Jahren», meint Ul-Haq mit Blick auf veraltete Ölförderanlagen.

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