1.11.2019 14:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Bettina Kiener
Markt
Bioprodukte suchen Käufer
Seit dem Frühjahr stehen die Produzentenpreise für Biomilch unter Druck. Milchproduzenten, die Anfang 2020 den Vollknospe-Status erhalten, können ihre Milch nicht in den biologischen Kanal liefern.

In den vergangenen Jahren stieg der Preis für Bio-Molkereimilch in den Sommermonaten an, da viele Bio-Milchkühe gesömmert werden und deshalb in dieser Zeit weniger Milch in den Biokanal floss.

Angebotsüberhang

In diesem Jahr konnte diese Tendenz aber nicht beobachtet werden. David Herrmann, Medienverantwortlicher bei Bio Suisse, begründet den unter Druck stehenden Produzentenpreis für Biomilch damit, dass heuer bedeutende Mengen an Milch von Betrieben, die per 1. Januar 2019 ihre Umstellungszeit abgeschlossen hätten, hinzugekommen seien.

«Das Angebot ist rascher gewachsen als die Nachfrage», so Herrmann. Anfang 2020 erreichen laut Bio Suisse weitere rund 155 Milchproduktionsbetriebe den Vollknospe-Status. Diese Betriebe stehen vorerst auf einer Warteliste und können frühestens ab Juni 2020 ihre Milch als Vollknospe-Milch abgeben. Die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) erhöhten per 1. Juli 2019 wegen der hohen Einlieferungen bei der Biomilch den Deklassierungsabzug auf 5 Rappen pro Kilogramm Milch. Für Neu-Umsteller per 1. Januar 2019 beträgt der ZMP-Abzug seit diesem Juli sogar 8 Rappen. 

Preise gesenkt

Auch beim Biogetreide steigen die Inlandanteile. In der Folge hätten Biobrote teurer werden müssen. Doch weil die Abnehmer fanden, das sei den Biokunden nicht zuzumuten, wurden den Schweizer Bauern diesen Sommer die Preise für Biobrotgetreide gesenkt. Für Umstellgetreide galt von Mitte Juli bis im Oktober 2019 eine Vermarktungssperre.

Bei den Bio-Schweinen zeigt die Preistendenz seit dem letzten Jahr nach unten. Das Angebot an Bioschweinen nahm zu, die Nachfrage konnte jedoch trotz verschiedenster Verkaufsförderungsmassnahmen nicht im gleichen Mass gesteigert werden. Bioferkel-Produzenten sind von Bio Suisse aufgefordert worden, ihre Sauen reduziert zu belegen. Aktuell können nicht alle Biojager platziert werden.

Überhänge auch in Nachbarländern

Auch aus Deutschland ist zu vernehmen, dass der Bio-Boom ins Stocken gerate. Im Fachmagazin «Agrarheute» wird von einem massiven Preisdruck bei Biogetreide berichtet. In den letzten Jahren hätten viele Produzenten auf Biolandbau umgestellt und so dem angeblichen Wunsch von Politik und  Gesellschaft nach mehr ökologisch erzeugter Ware entsprochen. 

In Österreich haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Bauern auf biologische Produktion umgestellt. Das bringt Probleme mit sich. Der Drang in die Biolandwirtschaft führt zu einem Überhang beim Getreide. Die Preise sind innerhalb von zwei Jahren um 28 Prozent gesunken. Die Ware gelangt auf den Weltmarkt.

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