9.05.2015 08:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Peter Jossi, lid
Biomarkt
Bio springt auf Regio-Trend auf
Die Biolandwirtschaft und die verarbeitende Branche sind seit dem Eintritt der Grossverteiler in den 90er Jahren mit dem Markt gewachsen. Wer auffallen will, muss Bio mit Mehrwert bieten. Ein Trend ist auch bei Bioprodukten die Regionalität.

Im Schweizer Biomarkt hat sich eine Vielfalt an Erfolgsmodellen etabliert, sei dies in Zusammenarbeit mit einem Verbandslabel (Bio Suisse, Demeter), Eigenmarken des Detailhandels wie Migros Bio und Bio Natur Plus (Manor Food) oder der Positionierung als Biofachhandelsgeschäfte in Koordination mit dem Biogrosshandel.

Gemeinsam ist allen Biovermarktungsprogrammen in der Schweiz eines: Beim Bezug aus der einheimischen Biolandwirtschaft wird der Knospe-Standard als allgemein anerkannte Qualitätsbasis vorausgesetzt. Dies auch dann, wenn in der Vermarktung das Knospe-Label nicht zum Einsatz kommt.

Durchlässige Grenzen im Biomarkt

Für neuen Wind sorgt der Eintritt deutscher Biovermarkter wie Alnatura in Kooperation mit der Migros. Der Biofachhandel steht seit vielen Jahren unter dem Druck der Biolinien in fast allen Grossverteiler-Kanälen. Biofachgeschäfte, die den Schritt in die Zukunft schaffen, was oft auch eine erfolgreiche Nachfolgeregelung bedingt, haben jedoch durch Kundennähe, Sortimentsvielfalt nach den vielfältigen Bedürfnissen der Kundschaft nach wie eine intakte Zukunftschance.

Der grösste Konkurrent des Schweizer Lebensmittelhandels liegt jedoch zunehmend jenseits der Landesgrenzen, wo sich nicht nur Discounter, sondern zunehmend auch Bio- und weitere Qualitätsanbieter direkt auf die Schweizer Kundschaft ausrichten. Die mit grosser Wahrscheinlichkeit längerfristig ungünstige Währungssituation schränkt auch das Potential für Bioexporte ein, zumindest in das nachbarschaftliche EU-Umland, namentlich nach Deutschland.

Bio 3.0 – Ein Begriff auf der Suche nach Bodenhaftung

„Wege zu mehr Bio in Europa und weltweit!” Die kampfeslustige Ansage ist der Titel eines gemeinsamen Diskussionspapiers von FiBL, Bio Suisse, Bio Austria sowie der deutschen Verbände Bioland und Naturland. Es liefert Erklärungen und Thesen zu Bio 3.0, der Kurzformel für die Weiterentwicklung des Sektors. Bio 3.0 war vor Jahresfrist ohne vorgängige inhaltliche Diskussion innerhalb der Biobewegung der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Deshalb haben sich die Nachfolgeorganisationen der Gründergeneration, die einst auf dem Möschberg (Gründerzentrum des organisch-biologischen Landbaus) den Biolandbau 1.0 begründeten und diesen später zum weltweit erfolgreichen Standard weiterentwickelten (Bio 2.0), nun zusammengesetzt um einen inhaltlich substanziellen Diskussionsbeitrag (Bio 3.0) zu erarbeiten. Die nun anstehende Diskussion soll sich an klaren Grundsätzen orientieren: Bio soll, die Nachhaltigkeit umfassend berücksichtigen, naturstoffbasiert und tierfreundlich sein,aber auch eine umfassende Innovationskultur entwickeln sowie ein ganzheitlicher Systemansatz sein der zudem im Einklang mit den gesellschaftlichen Megatrends ist. Die Latte für Bio 3.0 ist somit also hoch gelegt. pj

Bio-Swissness und Regionalität

Die Durchlässigkeit der Waren- und Personenströme führen zu einer eigenartigen gleichzeitigen Entwicklung. Swissness und Regionalität gewinnen zwar an Bedeutung. Gleichzeitig fliessen jedoch grosse Umsatzanteile in den grenznahen Raum. Dabei landen nicht nur Discount-Produkte, sondern längst auch Bio- und weitere Qualitätsprodukte in den Schweizer Einkaufskörben. Gleichzeitig „verschweizern” die inländischen Ableger von Aldi und Lidl. Die deutschen Discounter versuchen, sich mit Schweizer Bioqualität zu profilieren. Gerne würden sie auch das Knospe-Label verwenden. Dies erlaubt ihnen jedoch die „Anti-Discounter”-Regelung von Bio Suisse nicht.

Trotz wachsendem Konsumtourismus: Für einen wesentlichen Teil der Kundschaft kommt der Schweizer Herkunft besonders bei Biolebensmitteln eine grosse Bedeutung zu. Bio Suisse nimmt diesen Anspruch ernst und bekennt sich klar zur Schweizer Herkunft: Grundsätzlich wird nur importiert, was von Schweizer Biobauern nicht (z.B. Kaffee) oder nicht in genügender Menge (z.B. Getreide) produziert wird. Der Import wird nur zugelassen, wenn die inländische Produktion vermarktet ist. Die Verarbeitung findet hauptsächlich in der Schweiz statt.

Manko Getreide

Die wachsenden Bio-Umsätze gerade mit Brot und Getreideprodukten stellen die Schweizer Biobranche jedoch vor grosse Herausforderungen. Dank jahrelanger Anstrengungen der ganzen Branchen stellen mittlerweile zwar immer mehr Ackerbaubetriebe auf Bio um. Eine vollständige Versorgung mit Inlandgetreide ist jedoch auf lange Sicht nicht realistisch, im Gegensatz zum Labelprogramm IP-Suisse, das den Anspruch 100% Inlandgetreide seit Jahren erfüllen kann.

Biospezialitäten aus dem unmittelbaren lokalen Umfeld finden vermehrt Eingang in den klassischen Detailhandel. Bei Coop etwa im Rahmen der Plattform „Miini Region”, bei Manor unter dem Programm „lokal”, während beim Regionallabel der Migros „Aus der Region – für die Region” das Einzugsgebiet zumindest für Schweizer Verhältnisse sehr breit gefasst ist.

Bio-Region auf den Punkt gebracht

Im Biofachhandel positionieren sich einige Anbieter mit der Strategie „Bio-Regio” und gehen dabei noch weiter als dies dem klassischen Detailhandel möglich ist. Viele Bioläden der 70er und 80er Jahre suchten ihre Lieferanten bereits in der Aufbauphase und der Notwendigkeit gehorchend in der näheren Umgebung. Teilweise stellten sie sogar eigene Produkte her oder packten dies zumindest selber ab.

Regionale Biosortimente rücken seit einiger Zeit wieder in den Fokus. Ausgesuchte regionale Spezialitäten verstärken die lokale Verankerung der Biofachgeschäfte und schaffen damit eine Vertrauensbasis bei einer treuen Stammkundschaft. Exemplarisch zeigt dies das Programm „Us de Region vom Öpfelbaum”. Seit der Eröffnung des Bioladens Öpfelbaum (siehe Kasten) in Uster 1988 fördert der Bioladen regionale Produzenten und Verarbeiter.

Heute, 27 Jahre später, setzt Öpfelbaum möglichst konsequent auf Regionalität: „Uns ist es wichtig, lebendiges, nachhaltiges Wirtschaften nach biologischen Grundsätzen in der Region zu fördern”, sagt Sonja Rütimann, Verwaltungsratspräsidentin der Bioladen Öpfelbaum AG.

Bioladen Öpfelbaum: Fair heisst auch nah

Fairer Handel heisst auch naher Handel, ist man bei Öpfelbaum überzeugt und hat Regionalität klar definiert: 20 Kilometer im Umkreis des Öpfelbaums. Zur „weiteren Region“ wurde der Kanton Zürich erklärt. „So können wir eine gewisse Vielfalt garantieren”, sagt Verwaltungsratspräsidentin Sonja Rütimann. Das System ist äusserst transparent. Mit der Karte, die im und vor dem Öpfelbaum aushängt, wird Klarheit für die Konsumenten geschaffen. Kunden können sich so jederzeit über die Herkunft und den Produzenten ihres regionalen Produktes informieren. Mit einer Karte, auf welcher die Produzenten und Hersteller namentlich verzeichnet sind, sowie dem Logo „Us de Region vom Öpfelbaum” auf allen regionalen Produkten. „Dabei geht es nicht zuletzt um kurze Transportwege und weniger Umweltbelastung”, sagt Mabinty Conteh von der Geschäftsleitung des Bioladens. Markus Schmid, ebenfalls in der Geschäftsleitung, ergänzt: „Wir stossen damit auch die Entwicklung neuer Produkte in der Region an. Dadurch sollen zusätzliche Arbeitsplätze in und um Uster entstehen.” Von den über 50 Lieferanten sind rund 40 Produzenten bzw. Verarbeiter aus der definierten Region. pj

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