13.08.2020 09:56
Quelle: schweizerbauer.ch - awp/blu
Fleischmarkt
Bell legt im Detailhandel zu
Bell hat im ersten Halbjahr wieder deutlich schwarze Zahlen geschrieben. Von der Coronapandemie war der Fleischverarbeiter unterschiedlich betroffen. Profitiert hat der Heimmarkt Schweiz, wo der Einkaufstourismus aufgrund der Grenzschliessungen unterbrochen wurde.

Der Nettoumsatz der Gruppe betrug in der Periode von Januar bis Juni 2020 1,96 Milliarden Franken. Er lag bereinigt um Währungseinflüsse und Devestitionen um 59 Millionen oder 2,9 Prozent über dem Vorjahr. Den Umsatzverlust durch den Verkauf des Wurstwarengeschäfts in 2019 in Deutschland habe man also kompensieren können, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Der ausgewiesene EBIT liegt mit 59,4 Millionen Franken um 2,4 Prozent über dem bereinigten Vorjahresniveau. Der Gewinn beläuft sich auf 34,9 Millionen Franken und liegt um 44,5 Millionen über dem durch diverse Sonderfaktoren belasteten Vorjahreswert.

Profitiert von Grenzschliessung

Durch die mehrwöchigen Lockdowns in den Ländern seien die Umsätze im Absatzkanal Food Service während Wochen stark zurückgegangen. Die eingeschränkte Mobilität habe zudem Einfluss auf das Einkaufs- und Essverhalten der Konsumenten gehabt. Davon sei vor allem der Geschäftsbereich Convenience mit seinen To-Go-Sortimenten und einem signifikanten Umsatzanteil im Bereich Food Service negativ betroffen gewesen.

Im Kerngeschäft mit Fleisch und Fleischwaren profitierte die Coop-Tochter hingegen von der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Hamsterkäufen und verzeichnete im Absatzmarkt Retail eine deutliche Steigerung, die den Rückgang im Food Service kompensieren konnte. Dies insbesondere im Heimmarkt Schweiz, wo zudem der Einkaufstourismus aufgrund der Grenzschliessungen unterbrochen gewesen war.

Schweiz und International wächst

Mit einem Warenumsatz von 1 Milliarde Franken konnte der Geschäftsbereich Bell Schweiz im Vergleich zum Vorjahr um 37.7 Millionen Franken (+3.8 %) zulegen. Das Absatzvolumen stieg um 1.6 Prozent auf 62.6 Millionen Kilogramm. Den Umsatzeinbruch im Absatzkanal Food Service konnte Bell Schweiz dank signifikant höheren Absätzen im Retail kompensieren. Dieser Geschäftsbereich hat sich in der Corona-Pandemie damit als äusserst krisenresistent erwiesen, schreibt Bell.

Der Geschäftsbereich Bell International verzeichnete einen Warenumsatz von 481.9 Millionen Franken ein Plus von 8,1 Prozent. Das Absatzvolumen ist organisch um 2 Prozent auf 102.4 Millionen Kilogramm ebenfalls gewachsen. Die Situation mit den im letzten Jahr stark angestiegenen Rohmaterialpreisen für Schweinefleisch hat sich im ersten Halbjahr 2020 etwas entspannt. 

Convenience rückläufig

Der Warenumsatz des Geschäftsbereichs Convenience beläuft sich auf 515.2 Millionen Franken. Das sind 19.7 Millionen Franken (-3.6 %) weniger als im Vorjahr. Der Geschäftsbereich Convenience war am stärksten von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen, so Bell. Zu spüren war dies insbesondere im Bereich Food Service sowie bei den To-Go-Sortimenten im Retail. Anders als in den anderen beiden Geschäftsbereichen konnten diese Umsatzausfälle nicht im gleichen Mass über den Retail-Kanal kompensiert und ein Ergebnisrückgang nicht verhindert werden. 

Corona-Auswirkungen auch im zweiten Halbjahr

Mit Blick nach vorne geht das Bell-Management davon aus, dass die Auswirkungen der Pandemie sicherlich auch im zweiten Halbjahr 2020 zu spüren sein werden. Aufgrund dieser unsicheren Ausgangslage sei der Ausblick auf die zweite Jahreshälfte deshalb anspruchsvoll.

Bell geht davon aus, dass die teilweise Aufhebung der Corona-Massnahmen schrittweise zu einer weiteren Erholung der Umsätze im Absatzkanal Food Service führen wird. Besser sieht es im Bereich Retail aus. Hier rechnet das Management damit, dass sich die Umsätze wieder auf das Niveau wie vor der Pandemie zurückbewegen werden. Bell Schweiz sei dafür gut gerüstet.

Auch der Geschäftsbereich Convenience dürfte sich im zweiten Halbjahr erholen und deutliche Fortschritte erzielen. Und im internationalen Geschäft geht die Gruppe dank der Fokussierung auf hochwertigen Rohschinken und nachhaltige Geflügelprodukte sowie der Umsetzung von Effizienzsteigerungsmassnahmen von einer Fortsetzung der positiven Entwicklung aus.

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