29.06.2017 16:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Deutschland
Bauern ziehen Milch ab – Werke schliessen
Das Deutsche Milchkontor (DMK), die grösste deutsche Molkerei Deutschlands, muss mehrere Werke schliessen. Grund: Die Bauern kündigten die Lieferverträge, weil das DMK tiefe Preise ausbezahlte.

Im ersten Halbjahr 2016 sanken die Produzentenpreise in Deutschland auf unter 20 Cent pro Kilo (22 Rp.). Für viele Milchbauern bedeutete dies das Aus, andere mussten hohe finanzielle Einbussen wegstecken. In die Kritik kann insbesondere auch das Deutsche Milchkontor.

Ein Viertel fällt weg

Die Molkerei zahlte ihren Lieferanten teilweise nur noch einen Preis von 20 Cent. Der durchschnittliche Milchpreis beim DMK lag 2016 bei 25,2 Cent (27.5 Rp.) je Kilo. Die Bauern waren über die Preispolitik verärgert und zogen die Konsequenzen. Zahlreiche Milchproduzenten haben ihre Lieferverträge gekündigt. Gemäss einem Bericht von «Top Agrar» von Anfang Januar gehen der Molkerei bis Ende 2017 rund 500 Millionen Kilo verloren, bis Ende 2018 brechen weitere 1.2 Milliarden Kilo weg.

Bisher verarbeite das Unternehmen rund 7.2 Mrd. Kilo Milch jährlich, nun fallen also bis Ende 2018 knapp 24 Prozent oder 1.7 Milliarden Kilo weg. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) machte für diese Entwicklung die «dauerschlechten Milchpreise» der Molkereigenossenschaft verantwortlich. Die Reaktion der Bauern nannte das AbL mutig. «Es gibt ja gar nicht mehr so viele Alternativen im DMK-Einzugsgebiet, weil das DMK viele kleinere Werke in den letzten Jahren übernommen hat», erklärte das AbL.

3 Werke schliessen

Die wegfallenden Milchmengen wirken sich beim DMK nun auch in der Produktion aus, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) vermeldet. Das Unternehmen gab am Mittwoch bekannt, die Werke in Rimbeck in Nordrhein-Westfalen und Bad Bibra in Sachsen-Anhalt stillzulegen. Dies soll frühestens im ersten Quartal 2018 erfolgen. Bis Mitte 2019 soll das Werk auf Rügen folgen. Am Standort Nordhackstedt in Schleswig-Holstein soll zudem die Produktion von Käseaufschnitt frühestens Mitte 2018 enden. Insgesamt fallen 270 Stellen weg. Bisher verarbeitete das DMK an 20 Standorten Milch.

Der Aufsichtsrat muss den Schliessungen noch zustimmen. Die Kündigungsfrist der Milchbauern dauert zwei Jahre. Das Unternehmen mit Sitz in Bremen will versuchen, die Produzenten zurückgewinnen. Doch erst kürzlich agierte das Unternehmen gegenüber den Milchbauern nicht sehr geschickt.

DMK erhöht Milchpreise

So sagte der DMK-Chef Ingo Müller noch Mitte Mai gegenüber dem «Tagesspiegel», er glaube nicht, dass die Preise steigen würden. «Mehr als 32 Cent (34.8 Rp.) sind aktuell nicht drin», liess er verlauten. Die Bauern protestierten. Kurze Zeit später erzielte die Molkerei bei den Verhandlungen mit dem Detailhandel höhere Preise.

Das DMK erhöhte in der Folge die Auszahlungspreise für Mai auf 33 Cent/kg (36 Rp./kg), und für Juni auf 34 Cent/kg (37 Rp./kg). Für Juli hat das Unternehmen erneut eine Milchpreiserhöhung angekündigt. Für ein Kilo Milch will das DMK im Juli 36 Cent (39.2 Rp.) ausbezahlen.

Vergangene Woche präsentierte das Deutsche Milchkontor die Zahlen für das Jahr 2016. Die Molkerei konnte aufgrund von Einmaleffekten 2016 den Umsatz von 4,6 auf 5,1 Milliarden Euro (5.55 Mrd. Fr.) steigern. Der Gewinn lag bei 13,5 Millionen Euro (14.7 Mio. Fr.). Noch rund 8'600 Bauern beliefern das Unternehmen mit Milch. Bald sind es deutlich weniger.

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