29.01.2020 17:24
Quelle: schweizerbauer.ch -
Österreich
A: Heumilch legt weiter zu
Der Umsatz mit Heumilchprodukten in Österreich in den ersten drei Quartalen 2019 um 5,4% auf rund 105 Mio. Euro (114 Mio. Fr.) gestiegen. Damit lag das Wachstum deutlich über dem Molkereiprodukte-Gesamtmarkt, der beim Umsatz lediglich 0,4% dazugewinnen konnte.

Mit einer Verarbeitungsmenge von 510 Mio. kg Heumilch hat die Marke ihren Platz im österreichischen Detailhandel weiter gefestigt, teilt die Organisation am Mittwoch mit.

60 Prozent in den Export

Der Anteil von Heumilcherzeugnissen an der gesamten Milchproduktion liegt in Österreich bei rund 15%, in Deutschland bei 0,5% und in Europa bei 3%, erklärte ARGE Heumilch-Geschäftsführerin Christiane Mösl. Laut der Vereinigung gibt es in Österreich aktuell rund 8'000 Heumilchbauern und 60 Verarbeitungsbetriebe. 36% der erzeugten Heumilch sind bio-zertifiziert. 

Mehr als 60% der österreichischen Heumilch und -käsespezialitäten werden ins Ausland geliefert, wobei Deutschland der wichtigste Exportmarkt ist. Für eine noch erfolgreichere Vermarktung ist die ARGE Heumilch Österreich eine Kooperation mit Milchbauern hauptsächlich aus dem Allgäu in Bayern eingegangen.

In Deutschland noch eine Nische

"Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird der Standard von Heumilch und ihren Produkten ausserhalb von Österreich gehoben", sagte Mösl. Mit einer Verarbeitungsmenge von rund 70 Mio. kg, was 0,5% der gesamten Milchmenge in Deutschland entspricht, sei die Heumilcherzeugung im Nachbarland noch eine Nische in der Nische.

Heumilch werde auch in Zukunft vorrangig von bäuerlichen Betrieben aus dem Alpenbogen wie Österreich, der Schweiz, Bayern oder Südtirol erzeugt, weil sich dort die silagefreie Produktionsweise mit genügend Auslauf auf den Wiesen, Weiden oder Almen am besten eigne. Das Tiroler Ausserfern sei die erste Region, in der zu 100% Heumilch erzeugt werde, und im Montafon in Vorarlberg hätten sich vermehrt Bauern der Vereinigung angeschlossen.

Marke im Nischenbereich belassen

Wachstum sei aber nicht das vorrangige Ziel. "Wir wollen die Marke im Nischenbereich belassen", betonte der Obmann der ARGE Heumilch, Karl Neuhofer, auch wenn die Bilanz 2019 eine gute Perspektive gebe. "Der Heumilchzuschlag betrug zwischen 5 und 7 Cent (5.5 bis 7.7 Rp.) je kg Milch, womit für unsere Bauern ein Mehrwert von rund 26 Mio. Euro (28.3 Mio. Fr.) geschaffen werden konnte", zeigte Neuhofer auf. 

Ein besonderer Meilenstein sei die EU-Zertifizierung mit dem Gütesiegel "g.t.S. - garantiert traditionelle Spezialität" für Kuhmilch im Jahr 2016 und für Schaf- und Ziegenmilch 2019 gewesen. "Das heisst, dass in allen EU-Mitgliedstaaten Heumilch nach den Richtlinien der ARGE Heumilch Österreich erzeugt werden kann", erklärte Neuhofer.

Neben der silagefreien Fütterung mit Gras im Sommer und Heu sowie mineralstoffreichem Getreideschrot im Winter, müssen die Betriebe auch die Umsetzung der Heumilch-Kuhwohl-Initiative sicherstellen. Dazu zählen das Verbot einer dauerhaften Anbindehaltung und die verpflichtende Mitgliedschaft beim Tiergesundheitsdienst. Überdies muss für jede Kuh ein Liegeplatz im Stall vorhanden sein. 

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