29.10.2014 08:16
Quelle: schweizerbauer.ch - sam
Käseexport
5 Mal mehr Käse nach Russland
Der gegenseitige Boykott zwischen Russland und der EU bringt der neutralen Schweiz einen Exportanstieg bei den Lebensmitteln. Die Käseexporte haben sich monatlich von etwa 30 auf 160 Tonnen mehr als verfünffacht.

Gute Nachrichten für die gebeutelte Schweizer Käsebranche: Seit sich die EU und Russland wegen der Ukraine-Krise gegenseitig mit Boykotts den Handel zerstören, kann die neutrale Schweiz vermehrt nach Russland exportieren.

Von 28 auf 160 Tonnen

Das geht aus den Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung hervor. Wurden im September 2013 erst 28 Tonnen Käse ins Land von Präsident Wladimir Putin exportiert, so waren es im vergangenen Monat bereits 160 Tonnen – über fünf Mal mehr.

Daniel Dätwyler, Geschäftsführer des Käseverarbeiters Intercheese, bestätigt laut einem Bericht der «Schweiz am Sonntag» die grosse Nachfrage aus Moskau. «Wir konnten über bestehende Kontakte unsere Exporte deutlich steigern.» Im vergangenen Jahr lieferte Intercheese 20 Tonnen Käse nach Russland. Heute sind es bereits dreimal mehr, und bis Ende Jahr rechnet Dätwyler mit 90 Tonnen. «Gefragt sind vor allem Produkte aus dem Billigsegment wie Grossloch- und Raclettekäse.» Man könne aber auch hochpreisigere Nischenprodukte wie Emmentaler und Gruyère liefern.

Vier Exporteure

Intercheese ist zusammen mit Emmi, Mifroma/Swissfood sowie der Margot Fromages SA einer von vier für Russland zertifizierten Schweizer Exporteuren. «Wenn das Embargo aufgehoben wird, dann wollen wir im russischen Markt positioniert sein», sagt einer dieser Exporteure, der sich nicht namentlich zitieren lassen will.

Zwar sei absehbar, dass der Industriekäse aus Kostengründen mittelfristig durch billigere Produkte aus Übersee ersetzt werde. Es würden aber zunehmend auch Sortenkäse wie Emmentaler, Gruyère, Tête de Moine sowie diverse halbharte Käsesorten nachgefragt. Offenbar sind die Russen auch bereit, für  hochwertigen Käse den Schweizer A-Preis zu bezahlen. 

A-Preis bezahlen

«Meine Strategie ist, für den Sortenkäse, der in den Retail geht, den A-Preis zu bezahlen. Dann muss ich auch bei einem knapperen Angebot nie Angst haben, noch genug Käse zu bekommen», so der Exporteur. Bereits heute gebe es 20 Millionen kaufkräftige Russen, die dem oberen Mittelstand angehörten.

Ob auch der russische Präsident Wladimir Putin schon Schweizer Käse isst? «Sicher ist, dass Putin jeden Morgen ein Joghurt der Freiburger Molkerei Milco isst», lässt sich der Exporteur entlocken. 

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