29.11.2014 10:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Getreide
3,5 Mal mehr Importe als 1990
Die Getreidebranche diskutierte in Bern über die Beschaffung von Futtermitteln. Gleichzeitig stand an der Qualitätstagung von Swiss Granum das Protein im Fokus. Die Erkenntnis daraus: Der Proteingehalt ist nicht alles.

«Die Anbaufläche von Futtergetreide hat seit 2007 um mehr als 15'000 ha abgenommen», zeigte Stephan Scheuner, Direktor von Swiss Granum, an der DV  im Stade de Suisse in Bern auf. Zum Thema «Beschaffungssituation bei Futtermittelrohstoffen heute und morgen» wurde nach der Versammlung referiert.

1,2 Mio. Tonnen Importe

2013 wurden fast  1,2  Mio. t Futtermittel eingeführt — 3,5 Mal mehr als 1990. Beim Sojaschrot beträgt der Importanteil 99%, beim Rapsschrot 56% und beim Futtergetreide 57%.

«Die Ansprüche an die Beschaffung von Futtermitteln verändern sich», erklärte Alain Favre, Direktor der Protector SA. Rückverfolgbarkeit, Bioqualität, Gentechnik(GVO)-Freiheit, Hormonfreiheit, usw. würden immer wichtiger.  «Im Vergleich zum Energiefutter ist der Preis für Proteinfutter in den letzten Jahren angestiegen», zeigte Favre auf.

Er prognostiziert allerdings wieder leicht sinkende Soja-Preise, da die weltweiten Lager stark aufgebaut wurden. Aufgrund der hohen Nachfrage halten sich die Preise aber momentan noch auf hohem Niveau. Die Beschaffung von GVO-freier Ware bleibe herausfordernd, sei aber vor allem eine Frage der Prämie. «Der Rückgang des Futtergetreideanbaus in der Schweiz macht uns Futtermittelfabrikanten Angst.»

Auf welcher Fläche?

Hans-Ulrich Tagmann vom Bundesamt für Landwirtschaft stellte die Frage, auf Kosten welcher Fläche denn in der Schweiz das zusätzliche Futtergetreide, er sprach von 30'000 ha, angebaut werden soll. Fritz Glauser, Präsident des Getreideproduzentenverbandes hatte sofort eine Antwort parat: «Man sollte den Anteil der Ökoflächen reduzieren und auf extensiven Wiesen wieder eine Güllengabe erlauben.»

So könnte man mehr Futter produzieren wodurch Kunstwiesenflächen für Futtergetreide frei würden. Tagmann konterte mit dem gesellschaftspolitischen Aspekt: «Sobald die Bevölkerung keine Ökoflächen mehr will, kann man das so machen.» Das Seilziehen um einen Flächenbeitrag für Futtergetreide geht weiter.

Nachhaltiges Soja

Ein anderes Thema war die nachhaltige Eiweissversorgung. «Coop baut auf die nachhaltige Beschaffung von Soja», erklärte Salome Hofer, stellvertretende Leiterin Wirtschaftspolitik bei Coop. Und nannte dazu Stichworte wie: Donau-Soja, GVO-freie Ware, nachhaltiger Anbau in Südamerika und Soja-Alternativen. Ob die Konsumenten diesen Mehrwert z.B. beim Fleisch bezahlen würden, wusste Hofer allerdings auch nicht. Dafür brauche es noch viel Arbeit.

Qualitätstagung zum Thema Protein

An der Qualitätstagung von Swiss Granum erklärte Andreas Dossenbach vom Bäckerkompetenzzentrum Richemont, wieso es die Branchenlösung zum Proteingehalt beim Brotweizen braucht: «Der durchschnittliche Feuchtglutengehalt (FG)* im Schweizer Getreide ist in den letzten 10 Jahren um etwa 3% gesunken.» Gleichzeitig würden aber neue Backtechnologien und Konsumententrends FG-Gehalte weit über 30% erfordern.

«Die FG-Menge- und die -Qualität beeinflussen die Teigausbeute, die Teigstruktur, die Krumenelastizität und vieles mehr», betont Dossenbach die Bedeutung des Proteins. Doch «Menge ist nicht alles. Die Qualität des Proteins muss auch stimmen.» Darüber geben nur Teig- und Backversuche Auskunft. Die Branche werde 2017 ein Fazit ziehen. Dann werde man auch diskutieren, ob allenfalls eine Ausweitung des Systems auf alle Klassen nötig sei.

Versuche von Agroscope haben gezeigt, dass eine dritte Stickstoff(N)-Gabe meist den FG-Gehalt erhöht. Erfolgt die Gabe jedoch zu spät, geht dies auf Kosten des Kornertrages. In den Versuchen hat eine Verteilung der N-Düngung auf 20 — 40 — 80 kg/ha N mit der letzten Gabe beim Erscheinen des Fahnenblattes die besten FG-Gehalte ohne Verminderung des Ertrags gebracht. Die Sortenwahl ist aber der grösste und einfachste Hebel, um den Proteingehalt zu beeinflussen.

«Der finanzielle Ertrag für 70 dt/ha Top-Weizen mit 11% Protein entspricht dem für 74 dt/ha Klasse-II-Weizen», rechnet Fritz Glauser, SGPV-Präsident, vor. «Jeder Landwirt muss seine eigene Rechnung machen.» Und: «Protein ist nicht alles. Auch andere Qualitätsmerkmale bleiben wichtig.» gro

* Feuchtgluten (Kleber) ist ein nicht-wasserlösliches Protein und besonders wichtig für den Backprozess. Daneben enthält das Weizenkorn noch andere Proteine.

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