15.01.2013 07:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Strassenverkehr
Mit dem 30er-Jeep zum Einkaufen, aber nicht in den Ausgang
Viele Personen benutzen das 30er-Jeepli mit grünem Nummernschild als Fortbewegungsmittel. Ist das legal?

Täglich fährt der 15-jährige Simon Räuftlin vom Althüsli gleich unterhalb der Hasenmatt hinab nach Selzach SO und dann weiter nach Bellach SO. Auf dem Schulweg mit dem 30km/h schnellen Suzuki mit grünem Nummernschild legt er und seine vier Geschwister nicht nur über 860 Höhenmeter sondern auch eine Strecke von 16 Kilometer zurück.

Alles illegal, wie sich am 22. November herausstellte. Als Simon beim Oberstufenschulhaus in Bellach vorfährt, empfangen ihn zwei Kantonspolizisten. Er dürfte zwar grundsätzlich fahren. Aber eben nur im landwirtschaftlichen Verkehr, zum Beispiel in die Landi. Und nicht jeden Tag zur Schule, das sei nicht erlaubt. Wie illegal die Handlung ist, wird schlussendlich der Jugendrichter entscheiden.

Nur für Landwirtschaft

Nach Verkehrsregelnverordnung (VRV) Artikel 86 dürfen mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf öffentlichen Strassen nur landwirtschaftliche Fahrten durchgeführt werden. Sie dürfen zum Gütertransport im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung eines Landwirtschaftsbetriebes benutzt werden. Sie dürfen auf der Strasse von Arbeitsort zu Arbeitsort, sprich zwischen Hof und Feld oder hin und zurück zu einer Reparaturwerkstätte gefahren werden. Die grüne Nummer ermöglicht auch den Personentransport in Zusammenhang mit der Bewirtschaftung des Bauernhofs.

Dem Landwirtschaftsbetrieb gleichgestellt sind übrigens Forst-, Gemüse- und Obstbetriebe, Gärtner- und Imkereien. Erlaubt nach VRV ist auch das Zu- und Abführen von Betriebsmitteln, Geräten, Baumaterialien und Hausrat. Und es untersteht nicht dem Sonntags- und Nachtfahrverbot. Steht also eine landwirtschaftliche Fahrt an, darf sie auch sonntags durchgeführt werden.

Fahrten in Grauzone

Einige Fahrten insbesondere mit grün eingelösten Autos sind im Grauzonenbereich. «Mit einem landwirtschaftlichen Fahrzeug Einkäufe für den Haushalt zu tätigen, ist sicher legal», sagt Hans Stadelmann von der BUL. Hingegen kann die Fahrt zur Kirche oder zum Restaurant Fragen aufwerfen. Kann das mit der Bewirtschaftung des Betriebes in Zusammenhang gebracht werden? Für begründete Fälle gibt es die Möglichkeit einer Ausnahmebewilligung, zum Beispiel wenn kein anderes oder kein geeignetes Fahrzeug vorhanden ist.

Vorsicht vor Unfällen

Fahrten in den Ausgang, sei es von Bauernsohn, Vater oder Grossvater mit dem Traktor oder dem 30er-Jeepli haben wohl eher wenig mit der Bewirtschaftung des Betriebes zutun. Auch nicht gestattet sind Ausfahrten jeglicher Art, egal ob sonntags oder unter der Woche. Und so dürfen mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen keine Personenbesuche, aber auch keine privaten Personentransporte vorgenommen werden. Es sei denn, sie können als Auslieferungsfahrten zum Beispiel von Eiern oder Obst deklariert werden.

Stadelmann weist auf die Folgen von Graubereichs- oder gar illegalen Fahrten hin: «Ereignet sich dabei ein Unfall, muss mit Schwierigkeiten mit der Versicherung gerechnet werden.» Er weist auf Alternativen zum grün eingelösten Jeepli hin. Es könne auf weiss eingelöste Motorkarren mit 30 km/h oder Motorwagen mit 45 km/h ausgewichen werden. Für diese braucht es aber den Führerausweis Kat. F, der mit 16 Jahren mit Theorieprüfung und praktischer Prüfung erworben werden kann. Der Führerausweis G40 reicht dafür nicht aus.

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