16.01.2020 18:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
USA
Mehr Autonomie: US-Farmer kaufen alte Traktoren
Neue Traktoren sind gut vernetzt und unterstützen den Landwirt. Doch diese Maschinen sind teuer und schränken die Autonomie der Farmer stark ein. Deshalb kaufen die US-Landwirte immer mehr Traktoren mit Baujahr vor 1990.

Farmer in den USA ärgern sich seit Jahren über das Vorgehen von Landtechnikhersteller. Denn das Reparieren der Traktoren wird immer schwieriger. Dies vor allem deshalb, weil in den Maschinen immer mehr Technik steckt. 

Selbst-Reparieren unterbinden

In den USA existiere eine bäuerliche Kultur des Selbst-Reparierens von Landtechnik. Dies einerseits wegen der weiten Distanzen, andererseits wegen des stark ausgeprägten Autonomiestrebens, berichtete die «Unabhängige Bauernstimme» im April 2018.

Doch das Selbst-Reparieren wollen die Konzerne unterbinden. Das Austauschen eines kaputten Teils durch ein Nicht-Original-Teil oder das behelfsmässige Reparieren dazu führen, dass die Elektronik dies erkennt und das Starten des Motors verhindert. Bei John Deere darf eine Reparatur eine offizielle Werkstätte vornehmen. Deere begründet diese Massnahmen mit möglichen missbräuchlichen Anwendungen, die gefährlich sein könnten.

Neue Traktoren gehackt

Die Farmer sind über dieses Vorgehen erzürnt. Einerseits verursacht dieses Prozedere Kosten, andererseits verlieren die Farmer Zeit.  «Wenn es hart auf hart kommt, kann es sein, dass wir keine Zeit haben, um auf einen Angestellten zu warten», sagte Farmer Danny Kluthe im März 2017. 

Um die Souveränität über die von ihnen gekauften Fahrzeuge und die Kontrolle über eigene Arbeitsvorgänge zu behalten, kaufen die Bauern Software aus dem Online-Schwarzmarkt. Sie setzen bei ihren neuen Traktoren sogenannte alternative Firmware aus Osteuropa ein. Hierbei handelt es sich um eine Version der Originalsoftware, die gehackt und an die Bauern in die USA verkauft wird. Dank der alternativen Software lassen sich verschiedene Funktionen wie die Maximalgeschwindigkeit regeln.

Preise für ältere Traktoren stark gestiegen

Nun setzen sich die US-Farmer gegen das «Diktat» der Traktorenhersteller auch anders zur Wehr, wie der «Stern» berichtet. Das Magazin beruft sich dabei auf einen Artikel der «Star Tribune». So sind die Preise für gebrauchte, alte Traktoren aus der Zeit vor 1990 gewaltig angestiegen. Gesucht sind nicht uralte Ausstellungsstücke, sondern leistungsfähige Maschinen aus der Zeit vor 1990.

Farmer Kris Folland kaufte sich für seinen 2000-ha-Betrieb nicht einen neuen John Deere für 150'000 US-Dollar, sondern einen John Deere 4440 mit Baujahr 1979. Dieser kostete nur 18'000 Dollar. Eine satellitengesteuerte automatische Lenkung baute er einfach und billig ein.

Beschneidung der Eigentumsrechte

Der Farmer besitzt auch zwei weitere Traktoren älteren Semesters. «Diese Maschinen kosten nur einen Bruchteil des Preises. Zudem sind die Betriebskosten viel geringer, weil sie so viel einfacher zu reparieren sind», erklärt Folland.

In den USA ist das Recht auf Reparatur ein heisses Eisen. Die Unternehmen möchten die exklusive Kontrolle über die Reparaturprozesse innehaben, die Bauern wehren sich dagegen. Diese Beschneidung der Eigentumsrechte ist sehr brisant, denn sie bedroht die Autonomie des Farmers, schreibt «Star Tribune». 

Autonomie ist für Bauern wichtig

Die Autonomie bei der Instandhaltung sei ein wichtiger Punkt, Greg Peterson, der Gründer eines Unternehmens für Landmaschinendaten zur US-Zeitung. Software und Vernetzung würden zwar einige Vorteile bringen.

Aber sie hätten auch einen entscheidenden Nachteil: Wenn auch nur eine Kleinigkeit kaputtgehe, bleibe die Maschine mitten in der Ernte einfach auf dem Feld stehen und der Farmer müsse warten, bis ein offizielles Serviceteam eintreffe. Einen alten Traktor hingegen kann der Landwirt oder ein Landmaschinenmechaniker aus der Region reparieren. 

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