31.01.2014 12:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Heinz Röthlisberger
Verkehrssicherheit
«Insbesondere Anhänger sind oft schlecht gewartet»
Toleranz und Respekt seien im Strassenverkehr unabdingbar, sagt Markus Geissler von der Kantonspolizei Zürich.

«Schweizer Bauer»: Von verschiedener Seite ist oft zu hören, dass die Polizei bei landwirtschaftlichen Fahrzeugen im Strassenverkehr hie und da eine Auge zudrücke, wenn es um die Einhaltung der Gesetze geht. Stimmt das?
Markus Geissler: Nein. Die Vorschriften sind im Strassenverkehrsgesetz und den relevanten Verordnungen klar geregelt. Alle Verkehrsteilnehmer, ob landwirtschaftlicher Verkehr oder andere Verkehrsteilnehmer, werden von der Polizei gleich behandelt.

Welches sind die häufigsten Reklamationen, die Sie im Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Verkehr von anderen Strassenbenützern zu hören bekommen?
Hier geht es meist um die langsamere Geschwindigkeit, die gefahren wird, wodurch sich die anderen Verkehrsteilnehmer behindert fühlen. Gelegentlich sind auch verschmutzte Strassen ein Thema, insbesondere im Zusammenhang mit Zweiradfahrern. Vor allem bei solchen, die mit dem Motorrad unterwegs sind.

Welches ist ihr Tipp an die Autofahrer im Umgang mit dem landwirtschaftlichen Strassenverkehr?
Toleranz und Respekt gegenüber den verschiedenen Verkehrsteilnehmern soll gelebt werden. Ein grosses Thema, dies im Übrigen nicht nur mit dem landwirtschaftlichen Verkehr.

Schätzen Autofahrer die langsamer fahrenden Traktoren nicht richtig ein?
Dies glaube ich nicht. Ein Traktor ist von seiner Bauweise her für die anderen Verkehrsteilnehmer sehr gut einschätzbar.

Wenn es zu Unfällen mit Traktoren kommt. Was beobachten Sie in dieser Hinsicht?
Die von uns untersuchten Verkehrsunfälle zeigen häufig, dass die landwirtschaftlichen Fahrzeuge, insbesondere Anhänger, schlecht gewartet wurden. Ein weiterer Punkt ist sicherlich auch, dass der Lenker mit dem Fahrzeug oder der Fahrzeugkomposition nicht genügend vertraut ist.

Welche Situationen mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen sind besonders unfallträchtig?
Nebst den üblichen Gefahren im Strassenverkehr bergen vor allem die Arbeiten auf dem Acker oder in hügeligen Feldern, also sogenannte Arbeitsunfälle, ein erhöhtes Gefährdungspotenzial.

Werden Landwirte auf der Strasse im Vergleich zu früher mehr kontrolliert oder weniger?
Weder das eine noch das andere. Häufen sich jedoch in einem Gebiet berechtigte Reklamationen wegen landwirtschaftlichem Verkehr, sind wir genügend flexibel, entsprechend zu reagieren.

Stichwort Telefonieren während des Fahrens. Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Hinsicht mit Bauern gemacht. Was wäre korrekt?
Das Telefonieren während der Fahrt ist grundsätzlich verboten. Mit einer Freisprecheinrichtung ist es erlaubt, aber auch nur, wenn die Aufmerksamkeit gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern gewährleistet ist und die Bedienung des Fahrzeuges nicht eingeschränkt ist. Diesbezüglich sind mir mit den Bauern keine speziellen Erfahrungen bekannt.

Was können Bauern noch mehr tun, um Unfälle zu verhindern?
Die Fahrzeuge und die Ladung müssen in einem tadellosen Zustand sein. Dies auch, wenn zum Beispiel der Anhänger nur während einer kurzen Zeit verwendet wird. Die speziell für die Bauern angebotenen Weiterbildungskurse wie etwa Fahrkurse sollten besucht werden.

Zur Person

Adjutant Markus Geissler ist Dienstchef des Technischen Verkehrszuges bei der Kantonspolizei Zürich. In dieser Funktion ist er auch für Kurse und Vorträge für die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft BUL tätig. röt

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