17.03.2016 14:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Ruth Bossert
Thurgau
«Immer wieder Mängel bei Anhängern»
Trotz technischem Fortschritt und regelmässigen Kontrollen gibt es immer noch zu viele Unfälle bei landwirtschaftlichen Transporten. Über 300 Landwirte liessen sich an einer Tagung in Balterswil TG informieren.

«Die steigende Mobilität und die wachsenden Transportbedürfnisse machen auch vor der Landwirtschaft nicht Halt, leider passieren immer noch zu viele vermeidbare Unfälle mit landwirtschaftlichen Gefährten», sagte Josef Enk, Fachexperte beim Thurgauer Strassenverkehrsamt, Balterswil (siehe Kasten).

Im Kanton Thurgau seien fast 200'000 immatrikulierte landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs. Die meisten von ihnen werden regelmässig kontrolliert und instand gehalten, andere fallen bei polizeilichen Kontrollen durch.

Neue Vorschriften

So habe kürzlich die Kantonspolizei Thurgau im Grossraum Frauenfeld insgesamt 20 landwirtschaftliche Gefährte kontrolliert. Vor allem nicht immatrikulierte Anhänger wiesen Mängel bei den Bremsen auf. Auf dem mobilen Bremsprüfstand wurden elf Fahrzeuge kontrolliert. Bei zehn Fahrzeugen war die Bremsleistung nicht in Ordnung, präzisierte auch später René Beck von der Kantonspolizei Thurgau.

Pneumatische Bremsen gewinnen bei landwirtschaftlichen Fahrzeugen an Bedeutung. Enk erklärte weiter, dass künftige, neue Traktoren (ab 2020) und Anhänger (ab 2018) über ein Zweileiterbremssystem verfügen müssten (schweizerbauer.ch berichtete). Damit passt die Schweiz die Vorschriften an die EU an. Es werde auch nicht mehr funktionieren, neue Anhänger mit hydraulischen Zweileiterbremsen an ältere Traktoren mit Einleiterbremsen anzuhängen. Ob es diesbezüglich Nachrüstungsmöglichkeiten gebe oder sogar eine Sonderlösung für die Schweiz komme, sei im Moment in Diskussion. Das sei ein sehr komplexes Thema, erklärte Enk.

Grobfahrlässigkeiten

Während der Pause erklärten die Facharbeiter der Agrar Landtechnik AG, wie Bremsprüfungen professionell durchgeführt werden und worauf zu achten sei, wenn man die Kontrollen selber ausführe. Vonseiten der Polizei wurde auf die Ladungssicherungen hingewiesen und entsprechende Hilfsmittel und Werkzeuge vorgestellt.

Im zweiten Teil der Tagung erläuterte René Beck mit Beispielen aus der Unfallpraxis mögliche Fehler und Fehleinschätzungen bei den Fahrern. Eine Vertreterin einer Versicherung erklärte die gängige Praxis bei Regressfällen und rief die Anwesenden der Tagung dazu auf, sich möglichst gut und genügend zu versichern. Grobfahrlässigkeiten können sehr teuer zu stehen kommen. 

Zum Anlass

Hansjörg Uhlmann war überwältigt: «Zehn Prozent der Thurgauer Landwirte, insgesamt über 300 Männer und ein paar wenige Frauen, haben die Einladung der Kommission Landtechnik des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft angenommen und sind nach Balterswil gekommen», freut sich der Kommissionspräsident. Logistisch hingegen war es bei der Firma Agrar Landtechnik AG nicht ganz einfach, sowohl für die Fahrzeuge als auch für die Gäste genügend Platz zur Verfügung zu stellen. Sitzplätze gab es bei Weitem nicht für alle, auch wenn von überall her Stühle angeschafft wurden. Ruth Bossert

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