25.02.2020 14:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Ruedi Hunger
Graubünden
Berg ruft nach spezialisierter Technik
Investitionen in Landmaschinen müssen gut überlegt sein. Maschinen für das Berggebiet sind sehr teuer, sind aber Spezialisten. Der «Schweizer Bauer» hat den Junglandwirt Ursin Gustin aus dem Kanton Graubünden nach seiner Strategie gefragt.

Es ist überflüssig, darüber zu diskutieren, ob man einen Landwirtschaftsbetrieb überhaupt mechanisieren soll. Die Frage ist viel mehr, wie man einen Betrieb mechanisiert. Rund um die Mechanisierung stellen sich aber verschiedene Fragen.

Jung am Ruder

Beispielsweise, wie  ein Bergbetrieb auf 1000 m ü.M. mechanisiert werden soll. Oder ob es Alternativen zur Eigenmechanisierung gibt. Wird die Mechanisierung durch Sachzwänge bestimmt oder beeinflusst? Und schliesslich darf auch die provokative Frage gestellt werden: Kann sich ein Bergbetrieb Mechanisierung leisten?

Über diese und andere Fragen hat sich der «Schweizer Bauer» mit Ursin Gustin, Mitglied der JULA-Kommission, unterhalten. Ursin Gustin wohnt in Donat am Schamserberg GR. Dort bewirtschaftet er zusammen mit seiner noch jungen Familie einen 38 Hektaren grossen Biobetrieb. Noch arbeitet der Vater voll auf dem Betrieb mit. Die Familie Gustin betreibt Milchwirtschaft, im Stall stehen 26 Brown-Swiss-Kühe. Gustin ist Mitglied der Junglandwirt-Kommission (Jula) des Schweizer Bauernverbandes. Gleichzeitig ist der Dreissigjährige im Vorstand des Bündner Bauernverbands.

Spezialgeräte im Einsatz

Zur Frage, wie sein Betrieb mechanisiert sei, meint Ursin Gustin: «Unser Betrieb ist vorwiegend eigenmechanisiert, das heisst, wir haben einen Traktor, einen Transporter und einen Zweiachsmäher.» Das hat natürlich seine Gründe, wie Gustin weiter erklärt.

«Unter dem Dorf ist ackerfähiges Land, wo Getreide für das Label ‹Gran Alpin›  produziert wird. Insgesamt ist aber die halbe Betriebsfläche auf einer Höhe von 1800m und mehr. Und – das kommt dazu – ein Drittel der gesamten Fläche weist eine Hangneigung von über 35 Prozent auf. Also kann man durchaus von Sachzwängen sprechen, welche Einfluss nehmen auf unsere Eigenmechanisierung.»

Betrieb muss flexibel sein

Im Dorf Donat gibt es zwölf Landwirtschaftsbetriebe mit einer vergleichbaren Grösse, alle sind etwa gleich gelagert. Ein aussenstehender Betrachter kommt schnell einmal auf die Idee, dass mit einer gemeinsamen Mechanisierung alles einfacher und wirtschaftlicher wäre.

Dazu sagt Gustin: «Ja, ich verstehe diese Argumentation, und das ist alles gut und recht, aber in Wirklichkeit ist es nicht so einfach. Wie schon gesagt, alle Betriebe haben einen grossen Teil der LN auf 1800 m und darüber. Wer den Bergfrühling und Sommer schon mal erlebt hat, der weiss, dass auf dieser Höhe nach dem Schnee alles sehr schnell geht. Kommt dazu, dass die verfügbaren Arbeitstage im Berggebiet weniger zahlreich sind als im Mittelland. Das bedeutet, wenn wir einmal mit Heuen beginnen, ist jeder Betrieb mit der gleichen Arbeit beschäftigt, und jeder braucht dann die eigene Maschine, um flexibel zu sein.»

Einige Geräte gemeinsam

Obwohl Gustin betont, dass sich der gemeinschaftliche Maschineneinsatz auf einige wenige Geräte wie Güllenfass, Pflug, Acker- oder Wiesenegge beschränke, stellt sich die Frage nach einem Lohnunternehmer oder nach dem Maschinenring. «Eigentliche Lohnunternehmer haben wir kaum im Tal (Anm. Red.: 1800 Einwohner). Einzelne Landwirte machen Lohnarbeiten, indem sie für die rund 50 Landwirte im Tal mit einer Presse die Rundballen oder das Fahrsilo machen. Ebenfalls sind zwei traktorgezogene Güllefässer mit Schleppschlauchverteiler im Tal. Der Maschinenring hat betreffend Maschineneinsatz im Berggebiet praktisch keine Bedeutung, obwohl ein grosser Teil der Landwirte Mitglied des MR ist», sagt der Junglandwirt. 

Maschinen lange nutzen

Eigenmechanisierung dominiert also in der Talschaft Schams. Aber wie lautet das Erfolgsrezept, damit die Bergmechanisierung für den einzelnen Betrieb nicht zum Luxus wird? Ursin Gustin führt aus: «Unsere Mechanisierung kann nur wirtschaftlich tragbar sein, wenn wir die Maschinen lange nutzen. Ein Fahrzeug, sei dies ein Transporter, ein Zweiachsmäher oder der Traktor, muss rund zwanzig Jahre im Einsatz stehen. Zudem bin ich bestrebt, meinen Maschinen einen optimalen Unterhalt zu bieten und – auch ganz wichtig – mit ihnen einen sorgfältigen Umgang zu pflegen. Letzteres wirkt sich auch positiv aus auf den Eintausch- oder Wiederverkaufswert der Maschinen.»

Einsamer Traktor

Apropos Traktor: Die Hauptlast der Dürrfutterernte liegt ja bei den beiden Spezialmaschinen Zweiachsmäher und Transporter. Da drängt sich die Frage auf, wozu denn noch einen Traktor? Klassische Arbeiten, die mit dem Traktor erledigt würden, sagt Gustin, seien Viehtransporte, alle Arbeiten in Zusammenhang mit dem Ackerbau und im Winter die Silageentnahme mit dem Blockschneider aus dem Fahrsilo.

Alle drei Fahrzeuge zusammen leisten jährlich gut 700 Betriebsstunden. Insbesondere der Transporter zum grössten Teil auf der Strasse. Das wirke sich auch auf den Pneuverschleiss aus, nach jeweils rund 1000 Betriebsstunden müssten die Reifen ersetzt werden.  

Kann sich ein Bergbetrieb die Mechanisierung leisten? Diese Frage, das zeigt das Beispiel aus Schams, kann nicht nur mit dem Rotstift entschieden werden. Die kleine Anzahl Beschäftigter auf einem Familienbetrieb, die Höhenlage und die verfügbaren Arbeitstage bestimmen den Rhythmus und eben auch die Mechanisierung. 

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